Dank zahlreicher Spenden und eines zinslosen Darlehens der Ernst von Siemens Stiftung konnte das Gemälde „Urteil des Paris/Badende auf Fehmarn“ von Ernst Ludwig Kirchner für die Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums erhalten werden.

Motiv der Kampagne "Erna soll bleiben! Spendet für Kirchner".

Um nun das zinslose Darlehen abzuzahlen, wirbt das Museum weiterhin um Spenden. Das Gemälde ist ein Herzstück der Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums und zählt zu den wichtigsten Gemälden in Rheinland-Pfalz. Das "Urteil des Paris" gehörte ursprünglich zu der jüdischen Sammlung Hess. Es wurde während der NS-Zeit unrechtmäßig entwendet und müsste daher zurückgegeben werden. Mit der Erbin konnte jedoch eine faire und gerechte Lösung gefunden werden: Für einen weit unter Marktwert liegenden Betrag konnte das Wilhelm-Hack-Museum das Werk ankaufen.

Unter dem Motto "Erna soll bleiben! Spendet für Kirchner" riefen 2016 das Wilhelm-Hack-Museum und der Förderkreis des Museums zu einer Spendenkampagne zur Finanzierung des Gemäldes von Ernst Ludwig Kirchner auf. Sie sollte helfen, das Gemälde für das Wilhelm-Hack-Museum der Stadt Ludwigshafen am Rhein und die Öffentlichkeit in Deutschland zu erhalten. An der Finanzierung des Kaufpreises für das Gemälde beteiligen sich Stiftungen, Privatpersonen, öffentliche Körperschaften und Unternehmen: darunter in besonderem Maße die Kulturstiftung der Länder, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Dr. Harald Hack Stiftung sowie das Land Rheinland-Pfalz. Um ein zinsloses Darlehen der Ernst von Siemens Kunststiftung abzuzahlen, wirbt das Museum weiterhin Spenden ein.

Eigenanteil der Stadt Voraussetzung

Die Stadt Ludwigshafen hat sich mit einem Eigenanteil in Höhe von 300.000 Euro an der Finanzierung beteiligt. Ein Eigenanteil der Stadt war Voraussetzung für die Unterstützung einiger beteiligter öffentlicher Träger und Stiftungen. Kirchner lernte Erna und ihre jüngere Schwester Gerda kurz nach seinem Umzug nach Berlin kennen. Sie tauchen auf zahlreichen Werken aus jener Zeit auf – im "Urteil des Paris" ebenso wie in den brühmten Berliner Straßenszenen. Beim "Urteil des Paris" zeigt Kirchner sie in seinem Atelier. Er selbst erscheint hier als der Jüngling Paris, der sich nach der griechischen Mythologie entscheiden muss, welche der drei vor ihm stehenden Göttinnen die Schönste ist: Kirchners persönliche Wahl fiel auf Erna, die bis zu Kirchners Tod die Frau an seiner Seite blieb – als Modell, Geliebte und treue Gefährtin. In der Spendenkampagne steht Erna Schilling symbolisch für die fehlende Summe, die zum Ankauf des Gemäldes noch benötigt wird.

Doppelseitig bemalt

Das "Urteil des Paris" (1913) gehört mit anderen Werken aus der Zeit in Berlin wie "Die Straße" (1913, Museum of Modern Art, New York), der ebenfalls aus der Sammlung Hess stammende und 2006 vom Land Berlin restituierte "Berliner Straßenszene" (1913) und nicht zuletzt auch dem Bild "Potsdamer Platz" (1914, Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie) zu den Hauptwerken Ernst Ludwig Kirchners. Das "Urteil des Paris" sticht gerade deshalb als ein herausragendes Gemälde heraus, weil es doppelseitig bemalt ist: Die Rückseite zeigt fünf Badende auf Fehmarn, wo Kirchner in dieser Zeit die Sommer verbrachte. Der Szene in der Großstadtwohnung steht so die Szene in der freien Natur gegenüber. Das "Urteil des Paris" hat nicht nur für das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen, sondern auch für Rheinland-Pfalz und die Kunstgeschichte in Deutschland eine große Bedeutung.