Mit der Kampagne "Erna soll bleiben" wirbt das Wilhelm-Hack-Museum seit dem 23. März 2016 Spenden ein, um das Gemälde "Urteil des Paris/Badende auf Fehmarn" von Ernst Ludwig Kirchner für die Sammlung des Museums zu erhalten.

Motiv der Kampagne "Erna soll bleiben! Spendet für Kirchner".

Das Gemälde ist ein Herzstück der Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums und zählt zu den wichtigsten Gemälden in Rheinland-Pfalz. Das "Urteil des Paris" gehörte ursprünglich zu der jüdischen Sammlung Hess. Es wurde während der NS-Zeit unrechtmäßig entwendet und müsste daher zurückgegeben werden. Mit der Erbin konnte jedoch eine faire und gerechte Lösung gefunden werden: Für einen  unter dem Marktwert liegenden Betrag kann die Wilhelm-Hack-Stiftung das Werk, das von Experten auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag geschätzt wird, ankaufen.

An der Finanzierung des Kaufpreises für das Gemälde beteiligen sich Stiftungen, Privatpersonen, öffentliche Körperschaften und Unternehmen: darunter in besonderem Maße die Kulturstiftung der Länder, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Dr. Harald Hack Stiftung sowie das Land Rheinland-Pfalz.

Eigenanteil der Stadt Voraussetzung

In den vergangenen drei Monaten wurden für den Verbleib des Gemäldes im Wilhelm-Hack-Museum, ergänzend zum Erlös der Kampagne "Erna soll bleiben", zusätzlich über eine halbe Million Euro zur Verfügung gestellt. Neben sehr vielen Einzelspenden von Privatpersonen konnten Unternehmen für Großspenden gewonnen werden, außerdem haben bisherige Unterstützer ihre bereits zugesagten Summen erhöht. Die Stadt Ludwigshafen wird sich mit einem Eigenanteil in Höhe von 300.000 Euro an der Finanzierung beteiligen. Ein Eigenanteil der Stadt ist Voraussetzung für die Unterstützung einiger beteiligter öffentlicher Träger und Stiftungen.

Neben Gesprächen mit potenziellen Geldgebern, die die Stadtspitze in den nächsten Monaten führen wird, will das Wilhelm-Hack-Museum im Herbst mit weiteren Veranstaltungen auf "Erna" aufmerksam machen. So wird unter anderem Sigi Schwab mit dem Trio Amanti della Musica am 25. November 2016 ein Benefizkonzert zugunsten des Gemäldes im Wilhelm-Hack-Museum geben.

Kirchner lernte Erna und ihre jüngere Schwester Gerda kurz nach seinem Umzug nach Berlin kennen. Sie tauchen auf zahlreichen Werken aus jener Zeit auf – im "Urteil des Paris" ebenso wie in den brühmten Berliner Straßenszenen. Beim "Urteil des Paris" zeigt Kirchner sie in seinem Atelier. Er selbst erscheint hier als der Jüngling Paris, der sich nach der griechischen Mythologie entscheiden muss, welche der drei vor ihm stehenden Göttinnen die Schönste ist: Kirchners persönliche Wahl fiel auf Erna, die bis zu Kirchners Tod die Frau an seiner Seite blieb – als Modell, Geliebte und treue Gefährtin. In der Spendenkampagne steht Erna Schilling symbolisch für die fehlende Summe, die zum Ankauf des Gemäldes noch benötigt wird.

Doppelseitig bemalt

Das "Urteil des Paris" (1913) gehört mit anderen Werken aus der Zeit in Berlin wie "Die Straße" (1913, Museum of Modern Art, New York), der ebenfalls aus der Sammlung Hess stammende und 2006 vom Land Berlin restituierte "Berliner Straßenszene" (1913) und nicht zuletzt auch dem Bild "Potsdamer Platz" (1914, Staatliche Museen zu Berlin, Neue Nationalgalerie) zu den Hauptwerken Ernst Ludwig Kirchners. Das "Urteil des Paris" sticht gerade deshalb als ein herausragendes Gemälde heraus, weil es doppelseitig bemalt ist: Die Rückseite zeigt fünf Badende auf Fehmarn, wo Kirchner in dieser Zeit die Sommer verbrachte. Der Szene in der Großstadtwohnung steht so die Szene in der freien Natur gegenüber.

Das "Urteil des Paris" hat nicht nur für das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen, sondern auch für Rheinland-Pfalz und die Kunstgeschichte in Deutschland eine große Bedeutung. Ludwigshafens Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse und Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg wenden sich deswegen im Sinne der Aktion "Erna soll bleiben! Spendet für Kirchner" an die Öffentlichkeit: "Helfen Sie mit und unterstützen Sie uns dabei, dass das 'Urteil des Paris' der Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums und der Stadt Ludwigshafen erhalten bleibt".