In Würdigung der Verdienste des in Ludwigshafen gebürtigen Schauspielers sowie Film- und Theaterregisseurs William Dieterle vergibt die Stadt Ludwigshafen am Rhein den William Dieterle Filmpreis.

Der Schauspieler und Regisseur William Dieterle

In einem Wettbewerb werden ein Hauptpreis in Höhe von 7.500 Euro sowie ein Sonderpreis mit einer Dotierung von 2.500 Euro ausgeschrieben. Mit dem Hauptpreis sollen Filmemacherinnen und Filmemacher im deutschsprachigen Raum für herausragende cineastische Leistungen in der Beschäftigung mit kulturellen und gesellschaftlichen Fragen ausgezeichnet werden. Der Sonderpreis wird zur Förderung der Verständigung zwischen verschiedenen kulturellen und ethnischen Gruppen vergeben.

Der William Dieterle Filmpreis wird seit 1993 in dreijährigem Turnus ausgeschrieben. Über die Verleihung der Preise entscheidet ein Beirat auf Vorschlag einer dreiköpfigen Jury von Filmexperten. Zur Teilnahme am Wettbewerb werden Filme mit einer Gesamtlänge von mindestens 30 Minuten zugelassen.

Der William Dieterle Filmpreis wird 2017 erneut ausgeschrieben.

Porträt von William Dieterle

Wilhelm Dieterle wurde am 15. Juli 1893 in Ludwigshafen geboren. Vom Ludwigshafener Arbeitersohn zum Hollywood-Regisseur reicht der Weg Wilhelm Dieterles, der seinen Namen in Amerika in William ändert. Stationen zur internationalen Karriere sind ungezählte Bühnenrollen, unter anderem bei Max Reinhardt in Berlin sowie in Salzburg und Wien, außerdem 52 Hauptrollen in deutschen und ausländischen Filmen.

Bei 81 Filmen führt er Regie, in 13 davon übernimmt er zusätzlich die Hauptrolle. Nach seiner steilen Bühnenkarriere widmet er sich gegen Ende der 1920er Jahre hauptsächlich der Filmarbeit. 1930 erhält er einen Ruf in die USA. Neben seinen preisgekrönten biographischen Verfilmungen reüssiert er in Hollywood unter anderem mit einer Verfilmung des "Sommernachtstraums" sowie mit dem weltbekannten Stoff von Victor Hugos "Der Glöckner von Notre Dame".

Dieterle appelliert in seinen Filmen an das Ethos menschlicher Würde, an Toleranz und Humanismus; er wirbt für die Prinzipien der Demokratie. Dieterles Einsatz für die von den Nazis vertriebenen Künstlerinnen und Künstler, sein finanzielles Engagement für die Hilfsorganisation "European Film Fund" und das von ihm gegründete "Hilfskomitee für deutsche Schauspieler" nach 1945 bezeugen, dass Dieterle soziale Verantwortung nicht nur als Thema seiner Filme begreift. Dieses Engagement wird vor allem mit der Entstehung des Ost-West-Konfliktes ("Kalter Krieg") in der so genannten McCarthy-Ära ab 1950 mit Misstrauen beobachtet und gewertet. Dieterle starb am 9. Dezember 1972 in Ottobrunn.

Preisträger seit 1993

  • 1993
    Hauptpreis:
    Gordian Maugg "Der Olympische Sommer"
    Sonderpreis:
    Nina Gladitz-Perez Lorenzo "Perlasca"
  • 1996
    Hauptpreis:
    Jeanine Meerapfel/Alcides Chiesa "Amigomio"
    Uli Kick "Todorov - ein Gangsterfilm"
    Sonderpreis:
    Andreas Guttner "Kreuz und Quer"
  • 1999
    Hauptpreis:
    Lutz Dammbeck "Das Meisterspiel"
    Sonderpreis:
    Fatih Akin "Kurz und schmerzlos"
    Lobende Erwähnung:
    Armin Biehler "Sammlerglück"
  • 2002
    Hauptpreis:
    Andreas Dresen "Halbe Treppe"
    Sonderpreise:
    Christian Bauer "Missing Allen"
    Marion Kainz "Der Tag, der in der Handtasche verschwand"
    Marc Rothemund "Die Hoffnung stirbt zuletzt"
    Empfehlungen:
    Till Endemann "Rückkehr in den Dschungel"
    Konstantin Faigle "Out of EDEKA"
    Stanislaw Mucha "Absolut Warhola"
  • 2006
    Hauptpreis:
    Gordian Maugg "Zeppelin!"
    Förderpreis:
    Sandra Hacker und Christopher Buchholz "Horst Buchholz … mein Papa"
  • 2009
    Hauptpreis:
    Marie Miyayama "Der rote Punkt"
    Förderpreis:
    Rick Minnich und Matt Sweetwood "Forgetting Dad"
  • 2013
    Hauptpreis:
    Klaus Stanjek: "Klänge des Verschweigens"
    Sonderpreis:
    Katinka Zeuner: "Jalda und Anna - Erste Generation danach"

Bibliographie

  • Horst O. Hermanni
    William Dieterle - Vom Arbeiterbauernsohn zum Hollywood-Regisseur
    Mit einer Filmographie von Hervé Dumont. The World of Books, Worms 1992, 250 S., ISBN 3-88325-498-3
  • Marta Mierendorff
    William Dieterle - Der Plutarch von Hollywood.
    Henschel, Berlin 1993, 384 S., ISBN 3-89487-177-6
  • Willi Breunig (Hrg.)
    Der Sprung auf die Bühne. Die Jugend- und Theatererinnerungen des Schauspielers und Regisseurs William Dieterle. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Band 24, Ludwigshafen am Rhein 1998, 153 S., ISBN 3-924667-28-4
  • Willi Breunig (Hrg.)
    Der Kampf um die Story. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen am Rhein. - Ludwigshafen am Rhein, 2001. ISBN 3-924667-33-0.
  • Willi Breunig [Hrg.]:
    Das William-Dieterle-Archiv der Stadt Ludwigshafen am Rhein. In: Der Kampf um die Story / Willi Breunig (Hrsg.). - Ludwigshafen am Rhein, 2001. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen, Band 29. ISBN 3-924667-33-0. - S. 185-188. - 2001. - 2001. - Ill.. - 3-924667-33-0.
  • Das Stadtarchiv Ludwigshafen besitzt den Nachlass von William Dieterle. Er steht für wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung.