Ihre eigentliche Entstehung verdankt die Gartenstadt der "Gartenstadt-Bewegung" der Jahrhundertwende mit ihrem Wunsch nach einem gesunden, ausgeglichenen, grünen Wohnumfeld - ganz anders als in den Straßenschluchten der Ludwigshafener Arbeiterbezirke.

Der Rote Hof in der Gartenstadt

Im Jahr 1909 gründete sich die "Baugenossenschaft Gartenstadt Ludwigshafen", die 1913 ein großes städtisches Gebiet entlang der Maudacher Straße in Erbpacht erhielt - ein erstes aktives Eingreifen der Kommune in den Wohnungsmarkt. Am 12. April 1914 erfolgte der erste Spatenstich, und bald waren die ersten 26 Häuser fertig. Das Projekt erhielt noch 1914 offiziell den Namen "Gartenstadt". Der Erste Weltkrieg unterbrach jede Bautätigkeit, so dass an seinem Ende auch in Ludwigshafen größte Wohnungsnot herrschte. Ihr zu begegnen, begann die Stadt, seit 1920 über die von ihr gegründete "Gemeinnützige Aktiengesellschaft für Wohnungsbau" (GAG), selbst eine sogenannte "Heimstättensiedlung" nahe den Genossenschaftsbauten zu erstellen. Ein dritter Siedlungskern bildete sich zur selben Zeit auf dem 1916 vom Unternehmer Dr. Friedrich Raschig zur Errichtung von "Kriegerheimstätten" gestifteten Areal nördlich der beiden anderen Siedlungen.

In den 1920er und 1930er Jahren wuchsen die drei, alle auf dem Hochfeld gelegenen Teile der Gartenstadt allmählich zusammen, die Bevölkerung erhöhte sich zwischen 1924 und 1933 von 1.612 auf 6.025. Von Anfang an war unter den Bewohnerinnen und Bewohnern das genossenschaftliche, auf gegenseitige beziehungsweise Selbsthilfe ausgerichtete Element stark. Sowohl in der Heimstätten- als auch in der Raschigsiedlung entstanden Siedlervereine, die sich 1930 zusammengeschlossen. Sie und das seit 1924 gemeinsam gefeierte Blumenfest, ein Gemeinschaftshaus, die Zeitschrift "Der Gartenstadtbote" sowie weitere Vereinsaktivitäten bilden die Grundlagen für das Wachsen eines Gartenstädter Gemeinschaftsbewusstseins. Mit dem Bau des Roten und Grünen Hofes (1919/22), einer Schule (1926), der katholischen Kirche St. Bonifaz (1930), der evangelischen Erlöserkirche (1931) und dem südlich der Maudacher Straße erbauten St. Marienkrankenhaus (1930) erhielt der neue Stadtteil markante architektonische Akzente. Verkehrsanbindung und Einzelhandelsangebot verbessern sich stetig.

Mitten in der Zeit der Weltwirtschaftskrise begann der Ausbau der Niederfeldsiedlung, damals "Randsiedlung" genannt, die mit städtischer Unterstützung in gemeinschaftlicher Selbsthilfe errichtet wurde. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wurde die Siedleridee ideologisch  überformt und als Element der NS-Sozialpolitik propagandistisch ausgewertet. Der Zweite Weltkrieg ließ mehr als 20 Prozent der Gartenstädter Bausubstanz ganz oder teilweise zerstört zurück.

Die Nachkriegsjahrzehnte brachten eine rege Bautätigkeit der Baugenossenschaft (bis 1965), der GAG, der BASF-Wohnungsbaugesellschaft GEWOGE und anderer Baugesellschaften. Die Siedlung Niederfeld erhielt eine eigene Schule und Kirchen, und 1966 wurde die Kanalisation vollendet. Die Gartenstadt wird gesäumt vom Maudacher Bruch und dem Erholungsgebiet Blies sowie durch große Gärten.