Sandra Köstler & Marco Vedana

Ab 1959 - mit Schwerpunkt in den 1970er Jahren - entstehen die im Stil der amerikanischen Highways gebauten Hochstraßen, die die Stadt Ludwigshafen samt BASF mit dem Umland verbinden. Die Hochstraße-Nord, die zur Kurt-Schumacher-Brücke führt, ist irreparabel geschädigt und wird ab Ende 2019 abgerissen bzw. als Stadtstraße neu gebaut werden. Schon seit 2012 beschäftigen sich die Fotografen Sandra Köstler und Marco Vedana unabhängig voneinander bildnerisch mit der großartigen, futuristischen Linienführung dieses Brückenbaus und andererseits mit dem Blick auf das Leben unter und neben den Brückenteilen. Sie werfen gemeinsam einen neuen und essentiellen Blick auf diese Straßenführung, die zu Beginn einmal als absolut modern und zukunftsweisend galt, aber durch das sich ungeheuer vermehrende Verkehrsaufkommen und die negativen städtebaulichen Auswirkungen immer stärker in die Kritik geriet.

Die beiden Fotografen nähern sich auf verschiedene Weise ihrem Thema, mit ganz unterschiedlichem Equipment, aber auch jeweils sehr differenziertem Blick auf das Ganze. Genau, präzise, sachlich korrekt, aber immer hochkünstlerisch sind ihre Ergebnisse: Sie nehmen die Brücke, die Straßen und damit aber auch stellvertretend die ganze Stadt in den Blick und zudem unsere Zeit, die vergangene, aber auch automatisch die zukünftige, die ja zurückweist auf unseren Blick auf die Moderne der 1970er Jahre.

Sandra Köstlers Zugang ist bestimmt von der Umgebung der Hochstraßen, den unauffälligen Orten darunter und daneben, denn die ausschließlich für das Automobil gebaute Architektur erschafft ja gerade diese funktionslosen Plätze. Ihr Interesse gilt der Wirkung der Hochstraße auf den Stadtraum. Sie wählt ihren Blickwinkel nach den Gebäuden, dem "Straßenbegleitgrün" oder den Wegen unter der Hochstraße. In Farbe hält sie mit einer analogen Mittelformatkamera die querenden Linien auf leicht überbelichteten Fotografien fest. Unauffällige Doppelungen sprechen, zudem die leichte Verkommenheit der Umgebung, es sind Nicht-Orte, die unserer Aufmerksamkeit zumeist entgehen.

Marco Vedana interessiert die Wahrnehmung von Raum, der durch die Hochstraße entsteht, aber auch die Materialität des Betons und dessen Wirkung, das besondere Grau, das sich in den wahnsinnigen Biegungen der Hochstraße manifestiert. Im Vordergrund steht immer die Atmosphäre, die Monumentalität und das rein Skulpturale. Vedana arbeitete früh am Morgen, in der absoluten Ruhe, darüber der tobende Lärm der Hochstraße. Eigentlich störende Graffiti wurden ihm zu starken Mustern in den Flächen, die Koinzidenzen mit den Farbbahnmarkierungen halten unseren Blick. Marco Vedana arbeitet mit analogem Großformat in Schwarz-Weiß.

In der Ausstellung wird außerdem der Film "Die sterbenden Riesen" von Oliver Lollert gezeigt, der in strengem Schwarz-Weiß gedreht ist und die topografischen Verläufe der Hochstraßen verdeutlicht.

Hinweis

Die Künstlerführung findet am Sonntag, 19. November, um 15 Uhr im Stadtmuseum statt.