Es ging nicht allein um die Frage: hoch oder runter? Vielmehr richtete die Stadt Ludwigshafen bei den Überlegungen zur Erneuerung der Hochstraße Nord ihren Blick auf die gesamte Stadtentwicklung und wollte bereits im Vorfeld der Planungen gezielt die Meinung ihrer Bürgerinnen und Bürger hören.

Von Sommer 2012 bis Dezember 2013 haben Fachingenieure insgesamt 21 Hauptvarianten mit 54 Untervarianten geprüft. Hierbei wurde sowohl der Wiederaufbau in Brückenkonstruktion als auch eine ebenerdige Straßenführung untersucht. Vier Varianten wurden im Rahmen einer Bürgerbeteiligung im Januar 2014 zur Diskussion gestellt.

Im Zuge der technischen, statischen und konstruktiven Berechnungen wurde deutlich, dass die Hochstraßenkonstruktion vor allem im Bereich des Brückenkopfes am Rhein die Planer und Ingenieure vor gravierende Probleme stellt.

Nachdem in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Teile der  Hochstraße über die damals bereits untertunnelte Trasse (C-Ebene, BASF-Gleis und Stadtbahntunnel) gebaut worden war, folgte 1978 die Eröffnung des Rathauses und der Einkaufsmall in unmittelbarer Nähe.

Dafür entstanden ganze Bauwerke wie das Parkhausdeck und Teile der Mall wiederum unter der Hochstraße. Das hat zur Folge, dass in diesem Bereich kein Platz für schweres Gerät wie beispielsweise Baukräne zur Verfügung steht. Ein anderes Beispiel für die komplexe Bautechnik ist die Gründung einer Stützwand auf der Tunneldecke des Stadtbahntunnels Höhe Messplatz. Diese Unwägbarkeiten, die durch die nun vorliegende Ausarbeitung deutlich wurden, und die  zentrale Lage inmitten der Innenstadt ergeben einen erhöhten Aufwand bei der Erneuerung der Hochstraße Nord sowohl hinsichtlich der Beeinträchtigungen für Anlieger und Verkehr als auch hinsichtlich der Kosten. 

Anfangs hatte die von der Stadtverwaltung beauftragte Ingenieurgemeinschaft in einem ersten Schritt drei Sanierungsvarianten näher untersucht: eine nahezu Eins-zu-eins-Wiederherstellung der bestehenden Hochstraße, eine verschlankte Version sowie eine teilweise ebenerdige Straßenlage.

Dabei wurde unter anderem den Fragen nachgegangen:

  • Erfüllt die jeweilige Variante die Anforderungen der verkehrlichen Leistungsfähigkeit?
  • Welche Baukosten und welche künftigen Unterhaltskosten sind zu erwarten?
  • Welche konstruktionstechnischen Aspekte spielen wesentliche Rollen?

Im Zuge der Untersuchung zeigte sich, dass die verschlankte Version, die dem  Durchgangsverkehr zwischen Vorderpfalz und Mannheim Rechnung trägt, indem morgens in West-Ost-Beziehung und abends in Ost-West-Beziehung entsprechend mehr Fahrstreifen zur Verfügung stünden, weder städtebaulich noch verkehrlich Vorteile bringt.

Die Untersuchungen der beiden verbleibenden Varianten ergaben, dass ein Wiederaufbau der Hochstraße nach jetzigen und ersten Schätzungen rund 300 Millionen Euro kosten könnte, eine teilweise ebenerdige Verkehrsführung einer leistungsfähigen Straße je nach näher zu untersuchender Untervariante zwischen 220 und rund 250 Millionen Euro.

Ab Mitte 2013 gingen die Variantenprüfungen und Kostenberechnungen noch weiter ins Detail.

Im Januar 2014 wurden sie in einer Stadtratssitzung und in einem Bürgerforum dargestellt und mit Kosten hinterlegt. Zur Diskussion standen seitdem:

  • "Hochstraße neu" (mehr als 12 Jahre Bauzeit, Kosten rund 330 Millionen Euro)
  • "Stadtstraße lang" (weniger als 8 Jahre Bauzeit, Kosten rund 270 Millionen Euro)
  • "Hochstraße versetzt" (Bauzeit 8 Jahre, Kosten 330 Millionen Euro)
  • "Stadtstraße kurz" (Bauzeit 10 Jahre, Kosten 275 Millionen Euro)

Die lange Bauzeit resultiert aus der Aufrechterhaltung einer Fahrspur pro Richtung sowie der aufwendigen Abbrucharbeiten der Ingenieurbauwerke inmitten der Stadt. Insofern muss aus Sicht der Stadtverwaltung auch der Aspekt der Bauzeit sowohl unter verkehrlichen als auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gründlich bewertet werden. Parallel hierzu führt die Stadtverwaltung Gespräche mit Betroffenen, Anliegerinnen und Anliegern, Nachbarinnen und Nachbarn und anderen Partnern.

Vom 20. Januar bis 20. Februar 2014 lief eine umfassende Bürgerbeteiligung "Ludwigshafen diskutiert: Abriss der Hochstraße Nord - und was kommt danach?". Im Internet auf www.ludwigshafen-diskutiert.de, bei Bürgerforen, ein weiteres fand am 5. Februar 2014 statt, per Fragebogen oder direkt vor Ort konnten sich interessierte Bürgerinnen und Bürger rund um das Thema Abriss und Ersatzbau der Hochstraße Nord informieren, Fragen stellen sowie Anregungen und Kritik äußern. Dabei wurde anhand von sieben Themenfeldern diskutiert. Deren Wichtigkeit als auch die vier zur Debatte stehenden baulichen Alternativen zur kaputten Hochstraße Nord konnten danach bewertet werden. Diese waren: die "Hochstraße neu" als Neuaufbau in bestehender Führung; die "Hochstraße versetzt" als Neuaufbau, leicht südlich verlegt; die "Stadtstraße kurz" als kürzere ebenerdige Straße zwischen Lorientallee und Rathaus-Center und die "Stadtstraße lang" als längere ebenerdige Straße zwischen Lorientallee und Rheinuferstraße.

Eine deutliche Mehrheit der Teilnehmenden sprach sich dabei für die Variante einer langen, ebenerdigen Straße als Ersatz für die beschädigte Brückenkonstruktion aus. Wichtigste Themenfelder sind aus Sicht der Bürgerinnen und Bürger: Verkehr, Entwicklungschancen, Kosten und Bauzeiten.

Das medienübergreifende Dialogverfahren, das Zebralog gemeinsam mit der Stadtverwaltung Ludwigshafen und der W.E.G. WirtschaftsEntwicklungsGesellschaft mbH entwickelt und begleitet hat, verfolgte dabei das Ziel, Menschen in Stadt und Region umfassend und transparent über die Komplexität der Planung und das weitere Verfahren zu informieren. Auf dieser Basis konnten alle Interessierten mit Ingenieuren, Stadtplanern und Verkehrsexperten sowie untereinander diskutieren und Bewertungen vornehmen. Alle Beiträge wurden erfasst, zugeordnet und flossen zu einem Meinungsbild zusammen, das nun als Abschlussdokumentation der zu Ende gegangenen Beteiligungsphase vorliegt.

Eine quantitative Auswertung der Beteiligungsphase wurde am 26. Februar 2014 vorgestellt, die Abschlussdokumentation und Auswertung aller Fragen, Anregungen und Beschwerden liegt seit 14. März 2014 vor.

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am 24. März mit großer Mehrheit entschieden, die "Stadtstraße lang" als Vorzugsvariante der Stadt Ludwigshafen am Rhein für einen Ersatz der Hochstraße Nord dem weiteren Planungsprozess zugrunde zu legen. Mit dieser Variante geht die Stadt nun in die Finanzierungsverhandlungen mit Bund und Land. Die Plattform www.ludwigshafen-diskutiert.de bleibt im Internet weiterhin geschaltet.