"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demnig, der Kölner Künstler und Initiator der europaweiten Gedenkaktion "Stolpersteine".

Historie

Stolpersteine erinnern an das Schicksal verfolgter und ermordeter Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus

Mit den Stolpersteinen, zehn mal zehn Zentimeter großen Pflastersteinen mit aufgesetzter Messingplatte, wird die Erinnerung an Menschen lebendig, die einst hier gewohnt haben. Auf den Steinen steht geschrieben: "Hier wohnte ...". Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch. Stolpersteine erinnern an das Schicksal verfolgter und ermordeter Menschen in der Zeit des Nationalsozialismus. 200 Stolpersteine sind in Ludwigshafen überall dort zu finden, wo vor 1945 der letzte freiwillig gewählte Wohnort oder die Arbeitsstätte dieser Menschen war und über deren Schicksal geforscht wurde.

Im Jahr 2007 hat sich in Ludwigshafen der Arbeitskreis "Ludwigshafen setzt Stolpersteine" gebildet, der von Anfang an großes Interesse in der Öffentlichkeit gefunden hat. Vor allem junge Menschen wurden motiviert, sich mit dem Schicksal von Ludwigshafenerinnen und Ludwigshafenern auseinanderzusetzen, die von den Nazis ermordet oder vertrieben wurden. Markus Sternlieb, Karl Nord und Pfarrer Caroli sind Namen, die vielen Ludwigshafenerinnen und Ludwigshafern der Gegenwart noch ein Begriff sind. Aber die Recherchen des Arbeitskreises widmen sich auch den "verschwundenen" Namen. Diesen Menschen wieder ihren Platz in unserer Stadt zu geben, ist das Anliegen der Aktiven.

Ausstellung und Herbstprogramm 2017

In der Lisztstraße 176 in Ludwigshafen-Süd befindet sich im Erdgeschoss ein leerstehendes Ladenlokal, in dem der Verein Ludwigshafen setzt Stolpersteine vom 7. November bis zum 4. Dezember 2017 seine Ausstellung: "Stolperstein - Was geht mich dieses Schicksal an?" präsentieren wird.

In diesem Haus lebten Menschen, die in der NS Diktatur zu Opfern wurden. Die heutigen Bewohner und Nachbarn wissen nichts über diese Menschen und ihr Schicksal. Diese Schicksale wieder in das heutige Bewusstsein zu heben, hat sich der Arbeitskreis mit diesem Projekt zur Aufgabe gemacht. Wie aus geachteten Nachbarn Feinde und verachtenswerte Menschen gemacht wurden, die verfolgt wurden und fliehen mussten, ist Ziel des Stadtteilprojektes „Building memories“.

Durch Veranstaltungen, Vorträge und Workshops gibt der Arbeitskreis Einblicke in die Geschichte verfolgter Juden und politisch Aktiver, die in der NS-Diktatur verfolgt wurden. Dazu lädt der Arbeitskreis Nachbarn und Interessierte aktiv zur Recherche ein und knüpft so ein Band von der Geschichte hin zur heutigen Zeit. Das Projekt soll in anderen Stadtteilen wiederholt und ausgebaut werden.

Eröffnung der Ausstellung:

  • Freitag, 10. November 2017, 18 Uhr
    Lisztstraße 176

Am Samstag, 11. November 2017, werden weitere 28 Stolpersteine in Ludwigshafen durch den Künstler Gunter Demnig verlegt. Damit erinnern 238 Stolpersteine im Ludwigshafener Pflaster und erinnern an die Opfer der Nazi-Diktatur. Um 9 Uhr werden 16 Stolpersteine vor dem Amtsgericht Ludwigshafen verlegt, die an die verfolgten Diener des Rechts erinnern.

Weitere Termine gibt es im Herbstprogramm-Flyer in der Download-Box.

Im Stadtplan zu finden

Seit Anfang März 2014 können im Stadtplan unter dem Menüpunkt "Kultur" die 200 seit 2007 verlegten "Stolpersteine" sichtbar gemacht werden. Ein Namensverzeichnis der mit Steinen Geehrten erleichtert die Suche nach einzelnen Stolpersteinen.

Mit einer Spende Patenschaft übernehmen

Mit einer Spende kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen. Stolpersteine werden vor allem vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer verlegt. Die Ludwigshafener Initiatoren bemühen sich, sowohl mit den heutigen Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern als auch mit den Nachfahreinnen und Nachfahren der verfolgten ehemaligen Mitbürgerinnen und Mitbürger Kontakt aufzunehmen. Bildungs- und Kulturveranstaltungen sind ein weiterer Schwerpunkt der ehrenamtlichen Initiative, die bereits mehrere Broschüren und Unterrichtsmaterialien publiziert und das Online-Gedenkbuch "Erinnerung bewahren" erarbeitet hat.

Oberbügermeisterin Dr. Eva Lohse hat für die Stolperstein-Initiative die Schirmherrschaft übernommen.