Bis zum Jahr 2020 können CO2-Emmissionen in Ludwigshafen um rund 22 Prozent reduziert werden. Voraussetzung ist, dass ein umfangreiches Maßnahmenpaket von privaten Haushalten, dem Gewerbe und der Industrie sowie vom öffentlichen und institutionellen Sektor umgesetzt wird. Dies ist das Ergebnis des Klimaschutzkonzeptes 2020, welches das Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU) im Auftrag der Stadt erstellt hatte.

Energetisch saniert: der Pfalzbau in Ludwigshafen.

In dem Zeitraum von November 2009 bis April 2011 hatten die Institutsmitarbeiter Hans Hertle und Angelika Paar gemeinsam mit dem Klimaschutzbeauftragten der Stadt Ludwigshafen, Prof. Dr. Joachim Alexander, und zahlreichen Akteuren, darunter die Wohnungsbaugesellschaften, die städtischen Tochtergesellschaften, Kirchen, Verbände und Institutionen, in vier Workshops über 50 Maßnahmen erarbeitet. Dazu gehörten eine offensive Information, vernetztes Handeln, die Festlegung von ökologischen Standards in unterschiedlichen Bereichen.

CO2-Emmissionen um über ein Fünftel reduzieren

Das gesamte Maßnahmenpaket kann als Grundlage für die Klimaschutzaktivitäten der nächsten zehn Jahre dienen. Der erste Schritt, Handlungsoptionen für eine nachhaltige Verringerung der CO2-Emmissionen aufzuzeigen, ist somit getan. Nun gilt es, in den Gremien darüber zu diskutieren, welche Empfehlungen wann und wie umgesetzt werden können.

Energetisch saniert: der Pfalzbau in Ludwigshafen.

Um Ansatzpunkte und Handlungsoptionen für den Maßnahmenkatalog entwickeln zu können, hatte das IFEU-Institut in einem ersten Schritt die CO2-Emmissionen der Stadt Ludwigshafen aus den Sektoren private Haushalte, Gewerbe und Industrie aus dem Jahre 2008 mit der Bilanz aus dem Jahre 1995 verglichen.

Damit konnte aufgezeigt werden, welche Klimaschutzeffekte in Ludwigshafen durch die bisherigen Rahmenbedingungen und Aktivitäten aufgetreten sind. Das Resultat war, dass in diesen Jahren 14 Prozent der CO2-Emmissionen vermieden werden konnten. An dieser positiven Entwicklung hatten maßgeblich Einsparungen der Industrie sowie die energieeffizienten Wohnungssanierungen der GAG und der LUWOGE sowie der GML Abfallwirtschaftsgesellschaft und der TWL beigetragen.

Zwei Szenarien untersucht

In einem zweiten Schritt wurde auf der Basis von Potenzialanalysen Szenarien berechnet. Eines, das so genannte Trend-Szenario, zeigte auf, was geschieht, wenn die Bemühungen um den Klimaschutz in gleicher Intensität weiterlaufen würden wie bisher (business as usual). Das andere, das so genannte KLIMA-Szenario, setzte voraus, dass zusätzlich die im Klimaschutzkonzept vorgeschlagenen weitreichenden Maßnahmen im Effizienzbereich und bei der Energieversorgung umgesetzt würden.

Das Ergebnis im Trend-Szenario war, dass die gesamten Ludwigshafener CO2-Emmissionen bis zum Jahr 2020 gegenüber 2008 um sieben Prozent (das entspricht 57.000 Tonnen CO2) sinken würden. Im KLIMA-Szenario käme es durch die Umsetzung von weitreichenderen Maßnahmen insgesamt zu einer CO2-Minderung von 22 Prozent (193.000 Tonnen). Aufgeteilt in die untersuchten Sektoren bedeutete dies, dass im KLIMA-Szenario bei den privaten Haushalten 26 Prozent, beim Gewerbe 21 und bei der Industrie 16 Prozent eingespart werden würde. Man kann daraus ableiten, dass vor allem im Bereich der Wärmedämmerung, des Ressourcen schonenden Bauens und Sanierens ein Handlungsschwerpunkt ausgemacht werden kann und diesbezüglich eine entsprechende Beratung angeboten werden sollte.

"Mit einer personellen und finanziellen Ausstattung können die eigentlichen Maßnahmen detailliert geplant und sukzessive umgesetzt werden und dann letztlich den Bürgern und Unternehmen vor Ort nutzen", hieß es in dem Klimaschutzkonzept des IFEU-Institutes. "Die Ausgangsbedingungen für die Umsetzung des Konzeptes und das Erreichen der Klimaschutzziele sind heute deutlich besser als im Vergleichszeitraum 1995 bis 2008.

Mit dem Klimaschutzkonzept liegt für die zukünftigen Aktivitäten ein Strategie- und Aktionsplan vor. Ein Klimaschutzbeauftragter als wesentlicher Treiber ist in Ludwigshafen seit 2008 implementiert und die Rahmenbedingungen auf EU-, Bundes- und Landesebene sind deutlich besser verbessert worden", fasste Hans Hertle, Projektleiter beim IFEU-Institut, zusammen.

Für die Stadt Ludwigshafen ist es nun wichtig, Ziele zu setzen und Aktionspläne, wie diese Ziele erreicht werden können, zu beschließen. Unterstützt wird die Stadt dabei von einem Klimabeirat, in dem Vorschläge zur Verbesserung der CO2-Bilanz behandelt werden.

Daten und Fakten

  • Das IFEU-Institut wurde von der Stadt Ludwigshafen im Herbst 2009 mit der Erstellung des Klimaschutzkonzeptes beauftragt. Ziel: Unter anderem erhält die Stadt einen Maßnahmenkatalog, der die Grundlage für die Klimaschutzaktivitäten für die nächsten zehn Jahre sein wird.
  • Projektlaufzeit November 2009 bis April 2011
  • Leistung des IFEU-Instituts: Erhebung des Status Quo im Klimaschutz, Daten zur Energie- und CO2-Bilanz, Generierung von Maßnahmenideen mit Akteuren vor Ort, CO2-Einsparszenarien und Potenzialanalysen für verschiedene Verbrauchssektoren. Zusammenfassung der Handlungsoptionen für die kommunale Politik.
  • Übergreifend: Gründung eines Klimabeirates und eines zentralen Büros, in dem sich jeder über Energiesparmaßnahmen informieren kann. Klimaschutzziele 2020, Entwicklung Klimaschutzstrategie 2020, Gesicherte Finanzierung Klimaschutz, Controlling der Klimaschutzstrategie
  • Private Haushalte: Infokampagne Haus und Grund, Klimaschutzatlas Gebäudesanierung, Ludwigshafener Sanierungsstandard, Einführung ökologischer Mietspiegel, Dämmerschoppen Ludwigshafen, Bürgersolaranlage
  • Gewerbe und Handel: Infokampagne: Energieeffizienz, Stromsparfonds, Intelligente Strom- und Wärmezähler.
  • Stadtverwaltung: Masterplan öffentlicher Gebäude, Entwicklung von Klimaschutzstandards, Optimierung des Energiemanagements, Ökologische Materialbeschaffung.
  • Multiplikatoren: Klimaschutztisch Kirchen, Vereine, Verbände; Klimaschutzprojekt an Schulen.
  • Energieversorgung: Ausbau von Nah- und Fernwärme, Wärmenutzungskonzept, Umsetzung der EU-Effizienzrichtlinie.