Der Kriechende Günsel, die Gefleckte Keulenschrecke und der Dreistachlige Stichling – dies sind drei von insgesamt rund 6.000 Tieren und Pflanzen aus 431 Arten, die naturbegeisterte Bürgerinnen und Bürger aus Ludwigshafen und der näheren Umgebung dem ArtenFinder Service-Portal gemeldet haben.

Das Blässhuhn ist überall an den Altrheinarmen in den Schilfbeständen zu finden.

Am häufigsten beobachtet wurden Vögel, Tagfalter, Libellen und Samenpflanzen. Das Service-Portal, das alle Meldungen in einer Datenbank verwaltet und umfassend über heimische Tiere und Pflanzen informiert, ist das Herzstück des ArtenFinder-Projektes. Naturschutzverbände BUND, NABU und POLLICHIA haben sich mit dem rheinland-pfälzischen Umweltministerium zur KoNat (Koordinierungsstelle für Ehrenamtsdaten der kooperierenden Naturschutzverbände in Rheinland-Pfalz) zusammengeschlossen und im Jahr 2011 die zukunftsweisende "ArtenFinder-Initiative" gestartet.

Wie und warum entstand das "ArtenFinder-Projekt?"

Ziel ist, Behörden, wie die Untere Naturschutzbehörde in Ludwigshafen, die Gefährdungsfaktoren rechtzeitig erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen herbeiführen müssen, zu unterstützen. Die Natur ist durch vielfältige Belastungen gefährdet. Nur wenn man weiß, wo besonders empfindliche und schutzwürdige Arten vorkommen, können gezielt Maßnahmen zu ihrem Schutz ergriffen werden. Die gesammelten Daten von gesetzlich geschützten, wildlebenden Tieren und Pflanzen in Rheinland-Pfalz werden von Expertinnen und Experten verschiedener Tier- und Pflanzengruppen geprüft und dem behördlichen Naturschutz und dem Verbandsnaturschutz zur Verfügung gestellt. Sie können dann zum Beispiel bei Eingriffen in Natur und Landschaft, bei Ausgleichsplanungen, bei Pflege- und Entwicklungskonzepten und für Unterschutzstellung für den Naturschutz berücksichtigt werden.

Ein Praxisbeispiel wie der behördliche Naturschutz langfristig vom "ArtenFinder"-Projekt, das heißt letztendlich von den Beobachtungen aus der Bevölkerung, profitiert sind die Renaturierungsflächen am Brückweggraben in Rheingönheim. Hier wurden bei der unteren Naturschutzbehörde der Stadt Ludwigshafen mit die Ergebnisse der Artenanalyse des Artenfinders für die Planung der Maßnahmen zugrunde gelegt. Über weitere Projekte berichtet das Umwelt-Info 2012 "Landschaft in Bewegung" und das Umwelt-Info 2010 "Wertvoll für Flora und Fauna".

Das Programm "ArtenAnalyse" ist ein Geoportal, mit dem Funddaten von Tieren und Pflanzen räumlich und zeitlich ausgewertet werden können. "ArtenAnalyse" greift aktuell auf rund 140.000 Meldedaten von Tieren und Pflanzen zu, die überwiegend in Rheinland-Pfalz im Rahmen des Citizen-Science-Meldeprojekts "ArtenFinder" seit 2011 erhoben wurden. Darüber hinaus nutzt "ArtenAnalyse" verschiedene Geodienste des Landes Rheinland-Pfalz.

Das "ArtenAnalyse"-Tool

Die Artenanalyse ermöglicht Aussagen über die räumliche und zeitliche Verteilung der Art und die Anzahl der Individuen. Auch Neophyten und Neozoen können gemeldet werden. Weitere Informationen dazu gibt es im Umweltinfo Nummer 5/6 2011 "Stille Eroberer". Dies ist besonders hilfreich, da eingewanderte Arten zunehmend ganze Ökosysteme gefährden können. Durch die Artenanalyse können geeignete Gegenmaßnahmen, beziehungsweise Managementmaßnahmen zur Eindämmung der invasiven Art ergriffen werden.

Neophyten sind zum Beispiel Herkulesstaude auch als Riesenbärenklau bekannt oder das indische Springkraut. Neozoen sind zum Beispiel Buschmoskito,  asiatische Tigermücke, Alexandersittiche, Nilgans und asiatischer Marienkäfer. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts haben es sich zur Aufgabe gemacht, Bürgerinnen und Bürger, die an heimischen Tieren und Pflanzen interessiert sind, zu informieren und sie anzuleiten, (geschützte) Arten zu erkennen und zu melden. Durch die Meldungen möglichst vieler naturbegeisterter Bürgerinnen und Bürger in eine gemeinsame öffentliche Datenbank wird so ein wertvoller Beitrag zum Erhalt der heimischen Tier- und Pflanzenwelt auch rund um Ludwigshafen und in der Stadt selbst geleistet.

Wie wird man Artenfinder?

Um Beobachtungen von Tieren und Pflanzen im ArtenFinder eintragen zu können, ist eine einmalige Registrierung im System notwendig. Beobachtungen können über zwei Wege gemeldet werden: über den heimischen PC oder mithilfe der ArtenFinder-App direkt im Gelände. Gerade für Einsteigerinnen und Einsteiger wird die erste Variante empfohlen. Hierzu werden im Gelände mit der Digitalkamera Fotos der beobachteten Arten aufgenommen, die zuhause in Ruhe zur Bestimmung der Tiere und Pflanzen herangezogen werden können und im ArtenFinder als Beweisfotos dienen. Um die Beobachtungen an den ArtenFinder zu übermitteln, meldet man sich mit Benutzernamen und Passwort an, wählt die Rubrik "Online Meldung" und trägt dort den Fundpunkt, das Datum der Beobachtung und die Art ein. Das Beweisfoto wird hochgeladen und die Meldung gespeichert.

Für erfahrenere Teilnehmerinnen und Teilnehmer bietet sich die Verwendung der App an, da diese vor allem dazu geeignet ist, größere Datenmengen direkt im Gelände zu erfassen. Mittels GPS wird der Fundpunkt automatisch erfasst, der Melder wählt die Art aus und speichert die Daten zunächst auf dem Smartphone. Anschließend werden sie an das ArtenFinder Service-Portal übermittelt. Die im Gelände mit der Digitalkamera aufgenommenen Fotos können dann zuhause noch ergänzt werden. Vor allem mittelhäufige und seltene Arten sollten möglichst mit einem Fotobeleg gemeldet werden. Die ArtenFinder-App steht sowohl für das Betriebssystem Android als auch für iOS (Apple-Geräte) kostenlos zur Verfügung.

Die wichtigsten Informationen für eine Meldung sind: Wer hat wann, wo, was gesehen? Ebenso sollte die Anzahl der beobachteten Individuen einer Art übermittelt werden. Nach eingehender Prüfung bekommt jeder eine Rückmeldung zu seinem Fund.

Gebiete in Ludwigshafen, die sich für Exkursionen besonders gut eignen, sind zum Beispiel das Maudacher Bruch, die Parkinsel, der Ebertpark oder der Willersinnweiher und dessen Umgebung. Besonders wichtig aber sind, so die ArtenFinder-Expertinnen und -experten, Meldungen aus dem eigenen Garten, der oft Lebensraum für eine Vielzahl von Arten ist. Zuständig für das ArtenFinder-Projekt ist Annalena Schotthöfer. Sie bietet auch Vorträge an.

Arten gefunden? Selbst schützen!

Tipps des Bereiches Umwelt für privaten Artenschutz im Garten: Wer vielfältige, reich strukturierte Lebensräume mit sowohl schattigen als auch sonnigen, feuchten und trockenen Anteilen schafft, ermöglicht das Überleben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Solche Strukturen sind zum Beispiel Komposthaufen, Reisighaufen und Steinschüttungen, Totholz sowie Wasser- und Feuchtflächen. Das Pflanzen einheimischer Bäume und Sträucher sowie nektarreicher einheimischer Stauden, die Anlage und Erhaltung von Wildkräuterwiesen und das Anbringen von Nisthilfen, Insektenhotels und Fledermauskästen sind ebenfalls wertvolle Maßnahmen zum Zwecke des Artenschutzes im eigenen Garten siehe auch Umwelt-Info 2004 "Oasen in der Stadt: Naturnahe Gärten" und Umwelt-Info 2009 "Es piept und zwitschert". Tipps und Informationen gibt es bei Diplom-Biologin Tanja Rehberger vom Bereich Umwelt.