Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Dr. Lohse,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
deswegen weil Sie, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, mich in der Stadtratssitzung am 6. Dezember letzten Jahres für weitere acht Jahre als Beigeordnete gewählt haben, darf ich nun hier stehen, um zu Beginn meiner zweiten Amtszeit einen würdigenden Blick zurück auf die Vergangenheit zu werfen und zudem den erreichten Stand der Arbeit im Dezernat Kultur, Schulen, Jugend und Familie als Grundlage für die Perspektiven und weiteren Schritte der kommenden Jahre zu nutzen. Wegen des umfangreichen Aufgabengebiets des Dezernates, und um Ihre kostbare Zeit nicht zu sehr zu strapazieren, bitte ich um Verständnis, wenn ich mich nachfolgend auf die Schwerpunkte der Dezernatsarbeit konzentrieren möchte.
Die ersten acht Jahre waren nach einem Neuzuschnitt des Dezernats davon geprägt, stabile Grundlagen im Miteinander der einzelnen Bereiche des Dezernats vor dem Hintergrund sich stets wandelnder sozio-struktureller, familiärer und gesellschaftlicher Bedingungen weiter zu festigen sowie bedarfsgemäß und der jeweiligen Situation angemessen auszubauen. Im Handeln der Gegenwart sind die Schritte in die kommende Zukunft bereits angelegt, und zwar in einer Perspektive einer noch verstärkteren Zusammenarbeit. Das Ziel, alle Bereiche des Dezernats Kultur, Schulen, Jugend und Familie in einem vielfach vernetzten System von Erziehung, Bildung, Begleitung, Anregung und Betreuung zu verbinden, leitet sich ab aus dem Motto "Erziehung und Bildung gemeinsam gestalten". Folgerichtig wurde im Dezernatsbüro eine Stabsstelle kommunale Jugendhilfe- und Bildungsplanung eingerichtet, um diesen anspruchsvollen Prozess fachlich kompetent zu begleiten.
Bevor ich auf diese Thematik näher eingehe, blicke ich jedoch zurück auf die erste Amtszeit, die geprägt war von vielen strukturellen und konzeptionellen Änderungen, die teils abgeschlossen sind, teils noch in die Zukunft ausstrahlen. Ich möchte diese in neun Punkten skizzieren und beginne, wie sollte es anders sein, in den Jugendbereichen mit der Geburt des Kindes.
- Die Stadt Ludwigshafen war einer von 2 Modellstandorten in Rheinland-Pfalz im Bundesprojekt "Guter Start ins Kinderleben", das der Stärkung der Entwicklungschancen der Kinder von Anfang an dient. Hier kooperieren Gesundheitsdienste, Hebammen, Kinderärzte, Psychologen, Familienbildung und Jugendhilfe, um Kindern und Eltern in der Beziehungsgestaltung in der Familie zur Seite zu stehen und Probleme direkt zu erkennen und zu bearbeiten. Hieraus ist inzwischen ein Fachdienst in Trägerschaft der Stadt Ludwigshafen in Kooperation mit dem St. Marienkrankenhaus geworden, um dem Schutz des Kindeswohls noch effizienter Rechnung zu tragen.
- Beim LuZiE konnten wir die Pflegeverhältnisse ausbauen und einen gemeinsamen Pflegekinderdienst mit dem Rhein-Pfalz-Kreis einrichten. Zudem wirkt Ludwigshafen mit in der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle des Rhein-Pfalz-Kreises sowie der Städte Speyer und Frankenthal. Damit stärken wir die fachliche Zusammenarbeit der Jugendämter in der Region, erzielen aber auch Einspareffekte.
- Aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung ist das Großprojekt "Offensive Bildung" zu erwähnen. Hierbei hat die BASF SE die Stadt Ludwigshafen und die freien Träger großzügig unterstützt. Mit ihren sieben Projekten hat die "Offensive Bildung" wesentlich dazu beigetragen, die frühkindliche Bildung und Erziehung in der Wahrnehmung aufzuwerten, wobei für die Stadt Ludwigshafen, einer Stadt mit vielen Migrantinnen und Migranten, das Projekt "Sprache macht stark", sehr bedeutsam ist, da intensive Sprachförderung eine wesentliche Grundlage für Bildungsteilhabe ist. Der Ausbau von Ganzzeitplätzen und flexiblen Betreuungsplätzen sowie die Aufnahme von Zwei-jährigen wurden vom Bereich Kindertagestätten engagiert angegangen und werden weiter couragiert fortgesetzt. Mit dem Neubau der Kita Karl-Krämer konnte eine wesentliche Entspannung der Betreuungssituation in Süd erreicht werden.
- Wichtig ist auch die Weiterentwicklung der Hilfen zur Erziehung durch Beteiligung der Eltern mit Hilfe von Kompetenztraining, Multifamilientherapie und Eltern-Kind-Gruppen. Hier gelingt es der städtischen Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern gemeinsam mit dem integrierten Beratungsangebot des Caritas-Zentrums Ludwigshafen mit den eben genannten neuen Ansätzen sozialraumorientierter Beratungskonzepte den Ratsuchenden passgenaue Angebote zu unterbreiten.
Auch das Ludwigshafener Zentrum für individuelle Erziehungshilfen (LuZiE) entwickelt sein Angebotsspektrum flexibel gemäß dem Bedarf der Familien, auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse, in Kooperation mit den Sozialen Diensten sowie freien Trägern der Jugendhilfe im Qualitätszirkel und sorgt für kontinuierliche fachliche Weiterqualifizierung des Personals. Hier darf ich exemplarisch die Schaffung des ambulanten Kriseninterventionsteams (KIT) benennen, das erfolgreich versucht, entstandene Krisen schnell in den betroffenen Familien zu lösen, um vollstationäre Unterbringung in Notaufnahmegruppen (NAG) zu vermeiden.Strukturell fundierte und verlässliche Zusammenarbeit mit freien Trägern der Jugendhilfe, insbesondere den beiden Kirchen, aber auch Jugendverbänden und Bürgerinitiativen, wird im Bereich Jugendförderung geleistet, um ein vielseitiges und lebensweltnahes Angebot aufrecht erhalten zu können. Die städtischen Jugendfreizeitstätten pflegen mit den Einrichtungen der freien Träger ein gutes Miteinander und veranstalten gemeinsam viele Fachtagungen sowie Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Dies gilt genauso für den Teilbereich Kindertagesstätten.
- Die Straßensozialarbeit wurde ausgeweitet sowie konzeptionelle Grundlagen und Handlungsansätze weiterentwickelt. Ebenso wurde die Jugendberufshilfe institutionalisiert einschließlich der Implementierung des Projektes KÜM (Kooperation Übergangsmanagement Schule-Beruf) der Metropolregion Rhein-Neckar.
Mit dem Haus des Jugendrechts wurde ein partnerschaftliches Kooperationsmodell als Pilot für Rheinland-Pfalz auf den Weg gebracht, in dem Polizei, Staatsanwaltschaft, Öffentliche Jugendhilfe und freie Träger der Jugendhilfe erfolgreich zusammenarbeiten. Aufgabe des Fachdienstes Jugendhilfe im Jugendstrafverfahren ist dabei insbesondere die Begleitung der Jugendlichen während des gesamten Verfahrens. Dazu zählen u.a. Anti-Gewalttraining, Präventionsaktivitäten, Resozialisierung, Arbeitsweisungen und der Täter-Opfer-Ausgleich. Das Haus des Jugendrechts ist ein Erfolgsprogramm, das wir mit den Kooperationspartnern konsequent fachlich weiter entwickeln werden. Unser besonderes Augenmerk gilt dabei den strafunmündigen Kindern und den sogenannten Mehrfach- und Intensivtätern.
- Im schulischen Bereich konnten wir das Schulangebot am Standort Edigheim um eine dritte Integrierte Gesamtschule ergänzen, am Theodor-Heuss-Gymnasium das internationale Abitur sowie die Begabtenförderung an der Goetheschule Nord einführen. Mit dem Heinrich-Böll-Gymnasium geht zum kommenden Schuljahr ein weiteres Ganztagsgymnasium mit der Einführung eines G8 Angebotes an den Start. Die aufwändige Umsetzung der Strukturreform zur Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen zu Realschulen plus wurde beherzt angegangen und wird weiterhin intensiv begleitet. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen von zahlreichen Schulen sowie ein kostenintensives Sonderprogramm an Berufsbildenden Schulen standen im Investitionsbereich an oberer Stelle. Schließlich konnten der lang erhoffte Neubau der Georgens-Schule und die Sanierung der Erich-Kästner-Schule angegangen werden.
- Im Kontext der schulischen Themen ist natürlich auch auf die Schulsozialarbeit einzugehen. Hier ist es uns gelungen, ein Angebot an allen Realschule-plus-Standorten einzurichten. Bei der Schulsozialarbeit haben wir inzwischen einen anerkannt hohen fachlichen Standard erreicht, der nicht zuletzt dadurch deutlich wird, dass uns die Schulen zur aktiven Mitwirkung an ihrer Schulentwicklung auffordern. Schulsozialarbeit erspart der Kommune Kosten der Hilfe zur Erziehung, wie wir z. B. mit dem Modell "Nuggets" an der IGS Gartenstadt nachgewiesen haben. Dennoch bin ich der Auffassung, dass es sich um eine gemeinsame Aufgabe mit dem Land handelt. Ich werde deshalb weiterhin eine Kostenbeteiligung des Landes für alle Schulsozialarbeiter einfordern.
- Im Bereich Kultur wurden neben der Stabilisierung der bestehenden Institute und Angebote schon bestehende Ansätze weiter ausgebaut und neue Kulturangebote entwickelt. Diese Entwicklung war geprägt von einem spürbaren Aufbruch und Aufschwung. Das Zusammenwachsen der Metropolregion Rhein-Neckar ist für diesen Zeitabschnitt ebenso kennzeichnend wie die Inangriffnahme der dringend notwendigen baulichen Sanierungen und wichtiger Personalentscheidungen in etlichen Kultureinrichtungen.
Vereinzelte Neubesetzungen darf ich nachfolgend namentlich benennen, womit ich jedoch keineswegs die Verdienste der Kolleginnen und Kollegen schmälern möchte, die schon seit vielen Jahren mit großem Engagement und Einsatz für die Stadt Ludwigshafen tätig sind. Wichtige und umfassende Sanierungen konnten durchgeführt werden im Pfalzbau inklusive seines Theaterbereichs, im Bürgermeister-Reichert-Haus (Verdunkelungsanlage, Ausstellungshalle), im Kulturzentrum "Das Haus" einschließlich des Ludwigshafener Hauses des Jugendrechts sowie die grundlegende energetische Sanierung des Wilhelm-Hack-Museums.
Mit der Besetzung des bedeutsamen Direktorenpostens des Wilhelm-Hack-Museums mit Herrn Dr. Reinhard Spieler, einem international bestens vernetztem Kunst- und Museumsfachmann, konnte das Museum mit seiner Eröffnungsausstellung "Alles" weit über die Region hinaus beeindrucken. Auch die in bewährter Kooperation mit der BASF SE durchgeführte große Surrealismus-Ausstellung rief ein beachtliches Besucherinteresse hervor und die Zusammenarbeit mit dem Kunstverein konnte dadurch intensiviert werden. Neue Austellungsformate wie "Simply the best" oder die "Hackordnung" steigerten die Attraktivität des Wilhelm-Hack-Museums, so dass es sogar zum ersten Mal für eine Ludwigshafener Ausstellung gelungen ist, eine beträchtliche Förderung aus Mitteln der Bundeskulturstiftung zu erhalten.
Trotz der äußerst angespannten Haushaltslage der Stadt ist es gelungen, die dringend nötige Sanierung des Gebäudes der Stadtbibliothek auf den Weg zu bringen. Die diesbezüglichen Planungen laufen, die Finanzierung konnte auch durch die Akquise von europäischen EFRE-Mitteln sichergestellt werden. Die Stadtbibliothek ist unsere beliebteste und am meisten frequentierte Kultur- und Bildungseinrichtung und bleibt beispielsweise mit der Einführung der Metropol-Card und der Einrichtung virtueller Bibliotheksangebote auf der Grundlage eines modernen Bibliothekskonzeptes auf der Höhe der Zeit.
Die Städtische Musikschule unter der Leitung von Frau Christiane Schützer setzt neue Schwerpunkte auf Bereiche wie musikalische Früherziehung, auch in Kooperation mit Kindergärten und Grundschulen, Singklassen oder Streicher- und Bläserklassen. Die Ausweitung der Breitenarbeit steht dort ebenso im Vordergrund wie bei den übrigen Einrichtungen, sei es Museum, Bibliothek oder Theater.
Gemeinsam wird weiterhin an engerer Vernetzung der Angebote des Kulturbereichs mit denen des Jugenddezernates gearbeitet, ob Schultheater oder Improvisationstheater, die Zahl der teilnehmenden Schulen steigt. Das Ernst-Bloch-Zentrum hat sich als kleines, aber feines Haus der Wissenschaft als unverzichtbar erwiesen. Seine Bedeutung und Akzeptanz hat gerade in den letzten Jahren aufgrund der hohen Qualität seiner Angebote und Veranstaltungen kontinuierlich zugenommen. Hochkarätige Symposien, Foren und Gesprächsrunden werden international ebenso beachtet, was für die Verleihung des renommierten Ernst-Bloch-Preises schon selbstverständlich ist.
Das ehemalige "Haus der Jugend" stand über Jahre teilweise leer. Dieser Zustand konnte in meiner Amtszeit beendet werden. Heute arbeiten in diesem Gebäude das Kulturzentrum "Das Haus" mit einem stets wachsenden Programm. Und auch mit dem dort untergebrachten "Haus des Jugendrechts" finden gelingende Kooperationen statt. Das Haus ist mit seinem Programm mittlerweile ein Garant für erstklassigen Jazz, Pop, Blues und Rock und vieles mehr in Ludwigshafen.
Auch der Ludwigshafener Kultursommer und das Internationale Straßentheaterfestival haben sich prächtig weiter entwickelt und ziehen jährlich tausende von Besucherinnen und Besucher in die Innenstadt. Sie zählen inzwischen zu den TOP-Festivals der Metropolregion ebenso wie das Festival des deutschen Films mit seiner einmaligen Atmosphäre auf der Parkinsel. Ebenfalls in der Liga der TOP-Festivals spielen Enjoy-Jazz, das Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg und die Theaterfestspiele.
- Nach der großen Pfalzbau-Sanierung ist das Theater im Pfalzbau wieder an seine in neuem Glanz erstrahlte Wirkungsstätte zurückgekehrt. Wesentlich für das Ludwigshafener Kunst- und Kulturleben ist zweifelsohne, dass es mit Prof. Hansgünther Heyme gelungen ist, einen bundesweit renommierten und anerkannten Theatermann als Intendant des Theaters im Pfalzbau in unsere Stadt zu holen. Unter ihm wurde die Programmstruktur des Theaters im Pfalzbau neu ausgestaltet. Nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz, das sich zum Theater im Pfalzbau als Kulturstätte uneingeschränkt bekennt, sind die Festspiele Ludwigshafen inzwischen fest etabliert. In diesem Zusammenhang ist auch das großzügige Engagement der BASF SE zu erwähnen.
Im Herbst 2010 wurden die 6. Festspiele mit Richard Wagners Rheingold eröffnet. Diese Opernpremiere war der spannende Auftakt einer Kooperation des Theaters im Pfalzbau mit der Oper in Halle und der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die gemeinsam das große Ring-Projekt stemmen werden, das mit der erstmaligen Aufführung des Zyklus "Der Ring des Nibelungen" im Wagner-Jahr 2013 mit Hansgünther Heyme als Regisseur und Ausstatter sowie Karl-Heinz Steffens als musikalischem Leiter dann komplett sein wird.Im Bereich des Tanztheaters und des Balletts ist die Latte mittlerweile hoch gelegt. Die anspruchsvollen Vorstellungen genießen weit über die Region hinaus hohes Renommee.
Im Bereich Musiktheater hat sich die Kooperation mit dem Pfalztheater in Kaiserslautern bewährt, aber auch im Schauspiel stellt die Kooperation eine feste Größe dar, die auch eigene Inszenierungen unseres Intendanten ermöglichten. Die insbesondere dem Integrationsgedanken verpflichtete Festwoche Türkei, die aktuell stattfindet, bietet ein buntes türkisches und deutsches Programm vor gemischtem Publikum.
Mit den gegründeten Arbeitsinstitutionen wie der Medienschule im Theater, dem Kinder-Spiel-Theater und dem Jugendclub kritisches Theater werden die Angebote im Rahmen des Kinder- und Jugendtheaters ergänzt und die theaterpädagogische Arbeit gefördert. Durch Kooperationen mit Kinder- und Jugendeinrichtungen entwickelten sich neue Initiativen im Bereich Junges Theater, insgesamt wurde die Zusammenarbeit mit anderen Kulturinstitutionen und der freien Kulturszene intensiviert.
Nach diesem Streifzug durch die Vergangenheit ist nun der Blick nach vorne zu richten. Zu Beginn einer neuen Amtszeit stellt sich natürlich die Frage, ob man sich angesichts der unvermindert angespannten Finanzlage der Stadt auf das Bewahren und Verteidigen des Erreichten beschränken soll, oder ob es künftig gilt, bestehende Kultur-, Bildungs- und Jugendhilfeangebote neuen Gegebenheiten und Rahmenbedingungen anzupassen – und darüber hinaus neue Formate und Angebote zu entwickeln. Die Antwort liegt allerdings auf der Hand, dass man gerade in den Bereichen Kunst und Kultur, Bildung und Jugend nicht gut beraten wäre, sich auf dem Erreichten auszuruhen und auf ein Verwalten des Status Quo zurück zu ziehen. Mögliche Entwicklungslinien in den Bereichen sollen daher aufgezeigt werden.
Ein Schwerpunkt der künftigen inhaltlichen Ausrichtung des Dezernats besteht auch der wirtschaftlichen Synergieeffekte wegen weiterhin in dem umfassenden Auftrag, Erziehung und Bildung gemeinsam zu gestalten, um eine kommunale Bildungslandschaft zu entwickeln. Unser Ziel ist es, allen jungen Menschen in unserer Stadt Teilhabe zu ermöglichen, sie in ihrer individuellen Bildungsbiografie zu begleiten, sie in schwierigen Situationen und Phasen der Entwicklung zu unterstützen und soweit es uns möglich ist, Benachteiligungen auszugleichen.
Jeder Mensch ist wichtig, unabhängig von seiner sozialen oder kulturellen Herkunft. In vernetzten Systemen von Erziehung und Bildung möchten wir Ressourcen bündeln und in ganz unterschiedlichen Lernorten und Erfahrungsräumen jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre individuellen Kompetenzen und Stärken zu entfalten.
Die Debatte um die demografische Entwicklung verdeutlicht zunehmend, dass die Zukunft der Wissensgesellschaft darin begründet liegt, dass die Kinder in einer anregungsreichen und förderlichen Umgebung aufwachsen. Die Eltern gestalten das Aufwachsen in der Familie und werden dabei von Kindertagesstätten, Schulen, Freizeiteinrichtungen und Kulturangeboten unterstützt.
Die Gestaltung von Lernorten, die zu Lernerfahrungen anregen, zur Entfaltung der eigenen Kompetenzen motivieren und zum Engagement mit den eigenen Stärken inspirieren, ist, glaube ich, eine unserer wesentlichen Zukunftsaufgaben, die wir gemeinsam in den nächsten Jahren stemmen müssen und wollen. Wir alle wissen, junge Familien sind der Zukunftsgarant für die urbane Gemeinschaft.
Hier leistet Ludwigshafen als linksrheinisches Oberzentrum in der Metropolregion Rhein-Neckar bereits jetzt in den Bereichen Kultur, Bildung und Jugendhilfe einen beachtlichen Beitrag, wird aber auch in den nächsten Jahren an dessen Erhalt und Ausbau weiterarbeiten müssen. Die Bertelsmann-Stiftung hält den demografischen Wandel für einen entscheidenden Faktor im Prozess der Veränderung in den kommenden Jahren. Zitat: "Wenn das Alter der Menschen steigt und gleichzeitig die Bevölkerung schrumpft, müssen sich Strukturen und Angebote, vor allem aber auch die Menschen ändern. Deutschland wird bunter, aufgeschlossener, lernbereiter und engagierter werden (müssen)! Wenn sich Alt und Jung gegenseitig helfen, wir allen Migranten eine Chance in unserer Gesellschaft eröffnen und auch neue Lebenswege zur Normalität werden, führt der demografische Wandel sicher zu viel Veränderung und Dynamik."
In Ludwigshafen haben wir nicht mit sinkenden Geburtenzahlen zu kämpfen, das bedeutet, dass zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz für alle Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren in unserer Stadt ein kompletter Jahrgang zusätzlich in den Kitas unterzubringen ist. Das gelingt nur über ein entsprechendes Ausbauprogramm, das die Kommune knapp 50 Millionen Euro kostet und von ihr zu ca. 80 Prozent finanziert wird und nicht wie vom Bund und Land behauptet nur zu einem Drittel.
Das Ausbauprogramm wird gemäß der vorgelegten und verabschiedeten Planung weiter umgesetzt. In den kommenden Jahren gilt dies auch für den Krippebereich zur Aufnahme von Kindern unter Zwei. Unser Angebot müssen wir weiterhin den Bedürfnissen und Wünschen der Eltern anpassen, insbesondere Ganzzeitplätze weiter ausbauen. Dabei bleibt die Qualitätsentwicklung eine kontinuierliche Herausforderung in der täglichen Praxis.
Erziehung und Bildung werden als gemeinsame Aufgabe von Fachkräften und Eltern wahrgenommen. Mit einer Öffnung der Einrichtungen kann die Kita zu einem zentralen Ort im Lebensraum der Familien werden und Begegnung, gemeinsames Lernen und gegenseitige Unterstützung im Sinne eines Familienzentrums ermöglichen.
An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass im Januar das Projekt "Offensive Bildung macht Schule" an den Start gegangen ist, eine weitere Initiative der BASF SE, die die Gestaltung des Übergangs von der Kita in die Grundschule betrifft. In vier Tandems arbeiten Kindertagesstätten (unterschiedlicher Träger) und Grundschulen anhand eines Brückenthemas aus den Projektthemen der Offensiven Bildung an der Gestaltung des Übergangsprozesses mit dem Ziel, anschlussfähige Bildungsprozesse in aufeinander aufbauenden Lernorten konkret zu schaffen.
Bekanntlich sind die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, kulturelle Angebote und ausreichende Versorgung mit Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie Diensten als weiche Standortfaktoren für junge Familien ein entscheidender Gradmesser, wo sie künftig leben wollen.
Die Entwicklung von Ludwigshafen als Wohn- und Lebensort junger Familien ist eine Zukunftsaufgabe, der sich mein Dezernat in besonderer Weise stellt. Das Dezernat 3 leistet durch seine vielfältige Familienorientiertheit in kultureller, schulischer und jugendhilferelevanter Hinsicht einen wesentlichen Beitrag zur Stadtentwicklung. Immer häufiger gelingt es aufzuzeigen, welche Talente und Fähigkeiten in Menschen schlummern, die in Form von Sozio-Kultur-Projekten zum Ausdruck kommen. Diese Projekte, die derzeit bereits dank der Förderung aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (ERFE) gemeinsam mit dem Bereich Stadtentwicklung gestartet sind, eröffnen gerade(aber nicht nur) jungen Menschen mit Benachteiligungen neue Chancen zu Teilhabe und Bildung. Sie erfahren sich selbst als kompetent und gewinnen an Selbstvertrauen, eignen sich neue Erfahrungs- und Lernräume an und erwerben Kompetenzen für den Übergang aus der Schule in Ausbildung und Beruf.
Auch wir als Kommune wollen unseren Kindern und Jugendlichen eine erfolgreiche Bildungsbiografie sowie unterschiedlichste Lernerfahrungen in Familie, Freizeit und Lebensraum ermöglichen, damit sich auch Kooperationsformen in soziokultureller Ausrichtung ergeben.
Aus Initiativen wie Lesepaten, Forscherkoffern, Museumsworkshops und Kinderausstellungen, hip hop Wettbewerben, Zirkusprojekten, Kindertheaterprojekten, Erzählfestivals, Jugendtheater, Jobact und Schultheaterwochen (die Liste könnte noch beliebig verlängert werden) ist in diesem Jahr "KunSTück" geworden, Kinder- und Jugendkulturtage, die gemeinsam von allen Bereichen des Dezernats gestaltet und erstmalig im Juni diesen Jahres zentral im Kulturzentrum "Das Haus" veranstaltet werden. Kulturelle Bildung ist ein fester Bestandteil schulischer Bildung, manifestiert beispielsweise im Profil der neuen, unserer dritten Integrierten Gesamtschule in Edigheim und gelebt auch in vielen anderen Schulen.
Junge Menschen suchen in Kulturangeboten Unterhaltung, Information, Auseinandersetzung mit Themen und Herausforderungen des Lebens und verleihen ihnen gleichzeitig Stimme, Farbe, Bewegung und Kontur. In dieser Bandbreite erarbeiten sie sich den gesellschaftlichen Dialog und prägen ihre Zeit. Eine sogenannte Ludwigshafener Erklärung zur Kinder- und Jugendkulturarbeit in Ludwigshafen wird in den kommenden Sitzungen des Jugendhilfeausschusses, des Schulträgerausschusses und des Kulturausschusses vorgestellt; auf dieser Grundlage wollen wir die weitere Vernetzung ausgestalten.
Bei dem Bildungsprojekt Elternbeteiligung und Gewaltprävention in Kommunalen Bildungslandschaften am Modellstandort Ludwigshafen-Gartenstadt liegt neben dem Ausbau des Netzwerks "Eltern und Kinder in der Gartenstadt" liegt ein besonderer Fokus bei der Entwicklung eines Konzepts zur Beteiligung und Stärkung von Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe, sowohl unter dem Aspekt der Förderung der Elternkompetenz, als auch unter dem spezifischen Aspekt einer elternorientierten Gewaltprävention.
Im Mai wird eine Veranstaltung stattfinden, in der erstmals für Deutschland eine wissenschaftliche Aussage zum finanziellen Erfolg von Frühen Hilfen getroffen wird. Ich bin stolz darauf, dass Ludwigshafener Daten die Grundlage für das Forschungsergebnis sind. Im Zusammenhang mit Frühen Hilfen ist der Ausbau der Familienbildung und die Schaffung eines tragfähigen Netzwerkes durch die Übernahme der Koordination durch das Heinrich-Pesch-Haus eine richtungsweisende Entscheidung, die es auszubauen gilt.
Ich bin überzeugt, dass die Investition in Frühe Hilfen weitaus sinnvoller ist als späte kostenträchtige Reaktionen mit Hilfen zur Erziehung, deren Erfolg begrenzt ist. Die in der politischen Diskussion zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel sollten flexibel und dem erkannten veränderten Bedarf entsprechend eingesetzt werden. Im Zuge der Benchmarkdiskussion konnte verdeutlicht werden, dass die Steuerungsmaßnahmen des Jugendamtes positiv wirken. Bundesweit steigende Fallzahlen verhindern allerdings, dass der Steuerungserfolg unmittelbar aus dem Haushalt ersichtlich wird. Wir werden eine Möglichkeit für entsprechende Transparenz entwickeln.
Fragen der Integration und Inklusion werden in allen Einrichtungen konsequent weiter beachtet werden. Um Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen in Regeleinrichtungen ausreichend fördern zu können, sind entsprechende Rahmenbedingungen erforderlich. Mit der Einrichtung von Schwerpunktschulen sind erste Schritte gegangen worden, im frühkindlichen Bildungsbereich werden weiter folgen.
Als Schulträger unterstützen wir die Weiterentwicklung von Schulstandorten zu Ganztagsschulen. Am Beispiel Ganztagsschule Bliesschule gibt es Hinweise auf verbesserte Übertrittsquoten, es wird weiter zu verfolgen sein, inwiefern das Ganztagsangebot hier eine unterstützende Funktion einnimmt, ebenso der eng mit der Schule kooperierende Hort der ökumensichen Fördergemeinschaft. Die Nachfrage nach Ganztagsangeboten wird weiter steigen, diese Tendenz zeigt sich in den Kindertagesstätten und wird sich in den Schulbereich hinein verlagern. Erst Anzeichen dafür sind Nachfragen nach verlängerten Öffnungszeiten der Betreuenden Grundschule, die an zwei Grundschulen in Friesenheim erprobt wird. Hier wäre künftig ein Mitentscheidungsrecht des Schulträgers zur Einrichtung von Ganztagsschulen vom Land einzufordern, um eine bedarfsgerechte und aufeinander abgestimmte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung zu sichern.
Für Jugendliche mit Migrationshintergrund, aus bildungsbenachteiligten Familien oder aufgewachsen unter Armutsbedingungen ist die Bildungsteilhabe besonders wichtig. Hier sind gezielte Unterstützungsangebote erforderlich, um gelingende Bildungsbiografien zu ermöglichen und insbesondere sind die problematischen Übergänge von der Familie in die Kita, von der Kita in die Grundschule, von der Grundschule in die weiterführende Schule und von dieser in den Beruf sorgfältig zu gestalten.
Auch wenn ich noch einige Aktivitäten im Dezernat unerwähnt gelassen habe, möchte ich Ihre geschätzte Aufmerksamkeit nun nicht mehr länger beanspruchen. Eine letzte Bemerkung soll daher dem Blick in die Region gelten. Das Zusammenwachsen der Metropolregion Rhein-Neckar mit einer erfreulicherweise rasch zunehmenden Kooperation der Kultureinrichtungen wird auch in naher Zukunft ein bestimmender Faktor der hiesigen Kulturpolitik sein. Dabei stehen aber weniger unsere 15 TOP-Festivals in der Festivalregion im Fokus, sondern die Zusammenarbeit wird gewaltig an Fahrt aufnehmen durch die beabsichtigte Bewerbung um den Titel der Europäischen Kulturhauptstadt, die die Stadt Mannheim gemeinsam mit der Metropolregion auf den Weg bringen will. In der beabsichtigten gemeinsamen Bewerbung liegen große Chancen, nicht nur für die Stadt Mannheim, sondern genauso für die Region und insbesondere auch für unsere Stadt Ludwigshafen.
Ruhr 2010 hat es vorgemacht. Wir sollten uns daran ein Bespiel nehmen und das Vorhaben mit Volldampf angehen. Die Ludwigshafener Themen liegen dabei auf der Hand: Kulturelle Breitenarbeit, kulturelle Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche, und dass diese Fokussierung natürlich den für unsere Stadt so wichtigen Integrationsgedanken nachhaltig fördern wird, bedarf wohl keiner ausdrücklichen Erläuterung. Einen ersten Schritt in Richtung Kulturhauptstadt hat der Stadtrat bei der Einbringung des Haushalts 2011 getan, indem er die finanziellen Voraussetzungen für einen Einstieg in die ersten Vorplanungen geschaffen hat. Auch wenn wir am Schluss den Zuschlag nicht erhalten sollten: Allein schon in einer intensiv geführten Bewerbungsphase liegen viele Chancen und Möglichkeiten der Stadtentwicklung. Auswirkungen der Bewerbung auf unsere städtische Kultur-, Bildungs- und Jugendeinrichtungen sind zu erwarten, aber nicht nur auf diese, sondern wir stehen hier am Beginn eines spannenden Prozesses, der die gesamtstädtische Entwicklung fordern, aber auch fördern wird, und den neben zahlreichen anderen Beteiligten vor allem Rat und Verwaltung intensiv begleiten sollten, sobald die entsprechenden Beschlussfassungen der rätlichen Gremien erfolgt sind.
Zum Abschluss möchte ich denjenigen danken, die mich in den letzten Jahren unterstützt haben. Zunächst darf ich dem Stadtvorstand für die jahrelange vertrauensvolle Zusammenarbeit danken: Frau Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse, Herrn Bürgermeister Wilhelm Zeiser und den Herren Beigeordneten Wolfgang van Vliet und Klaus Dillinger. Dem Stadtrat, aber auch den Mitgliedern in den Fachausschüssen wie Kultur-, Schulträger- und Jugendhilfeausschuss darf ich für die Konstruktive Zusammenarbeit danken und mich der Einfachheit halber und damit stellvertretend für Sie, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, bei den Vorsitzenden der Fraktionen im Stadtrat herzlich bedanken. Meinen Dank möchte ich auch der Verwaltung aussprechen, wobei ich nicht nur den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in meinem Dezernat danken möchte, sondern dies dezernatsübergreifend einschließlich des Personalrates tun möchte.
Schließlich darf ich die Gelegenheit nutzen, meinen engsten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu danken: Im Dezernatsbüro Frau Spanier und Frau Siel, meinem Referentenstab Frau Breidenbach und Herrn Schornick sowie meiner Bildungs- und Jugendhilfeplanerin Frau Messinger und last but not least meinen Bereichsleitern, den Herren Skibelski, Heyme, Böhn, Leidig, Eggemann-Dann und Bucher. Dank Ihres großen Engagements und Einsatzes konnte in den letzten Jahren viel bewegt werden und ich bin zuversichtlich, es wird auch künftig gelingen.
Ich freue mich auf meine 2. Amtszeit und dass wir gemeinsam für diese Stadt viel bewegen können.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit.