09.12.2017

Bella Figura

Die französische Erfolgsautorin Yasmina Reza, die aus einer weitverzweigten jüdischen Familie stammt, setzt in ihrem neuesten Stück Bella Figura fort, worauf sie bereits in ihren vorhergehenden Stücken Kunst, Drei Mal Leben und Der Gott des Gemetzels mit sezierender Schonungslosigkeit ihr Augenmerk gelegt hat: sie legt bloß, was unter einer deckelnden Oberfläche schwelt und entlarvt so den schönen Schein. Daher ist es nur folgerichtig, dass Yasmina Reza für ihr neues Stück einen Begriff aus dem Italienischen gewählt hat: „Bella Figura“ heißt so viel wie einen guten Eindruck machen oder eine gute Figur abgeben. Genau das versucht der seriöse Unternehmer  Boris, nachdem er, ausgelöst durch einen Streit und ein riesiges Missgeschick, in einer äußerst verzwickten Situation landet. Yasmina Reza zeigt in Bella Figura anschaulich, dass Boris‘ Versuch, seine Seitensprung-Beziehung zu vertuschen, von vornherein zum Scheitern verurteilt ist.

Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Boris seiner Geliebten Andrea gegenüber erwähnt, dass das Restaurant, in das er sie ausführen wollte, eine Empfehlung seiner Frau ist. Andrea reagiert verletzt und zornig, ein Streit entzündet sich. Boris hätte gut daran getan, sich dem verbalen Schlagabtausch zu stellen, ohne dabei Auto zu fahren. Abgelenkt durch die hitzige Diskussion fährt er beim Parkmanöver eine ältere Dame an, die ihm obendrein nicht unbekannt ist: Die Schwiegermutter von Franҫoise, der besten Freundin von Boris‘ Ehefrau, scheint zwar unverletzt zu sein, es lässt sich aber nicht vermeiden, dass bald schon Franҫoise selbst mit ihrem Mann Eric auftaucht. Andrea setzt dem Ganzen die Krone auf, indem sie vorschlägt, gemeinsam zu Abend zu essen. Da der Streit zwischen ihr und Boris noch nicht geklärt ist und unterschwellig weiter köchelt, bleibt der übrigen Tischgemeinschaft nicht verborgen, dass Boris hinter der gepflegten Fassade einer bürgerlichen Ehe ein Doppelleben führt. Nebenbei stellt sich ebenfalls heraus, dass es Boris nicht nur mit der Treue nicht so genau nimmt, sondern dass er durch leichtsinnige Geschäfte außerdem sein Unternehmen gefährdet hat.

Ein Rundumschlag auf ganzer Linie also, der die mühsam von Boris errichtete Fassade zum Einstürzen bringt, verkörpert durch das grandiose Ensemble des Wiener Burgtheaters mit Joachim Meyerhoff als Boris und Caroline Peters als Andrea. Außerdem dabei sind Roland Koch, Sylvie Rohrer und Barbara Petritsch.

 

Foto: © Reinhard Werner / Burgtheater

Ort: Theater im Pfalzbau

Datum: / 19:30 bis 21:00 Uhr