06.01.2018

Macht und Widerstand

Schauspiel Hannover in Kooperation mit dem Deutschen Theater Berlin

Der eine spielt das Opfer, der andere den Täter. In der Dramatisierung von Ilija Trojanows Roman Macht und Widerstand stehen sich im Bulgarien der Nachwendezeit als zentrale Charaktere die beiden bekannten Schauspieler Samuel Finzi und Markus John gegenüber. Samuel Finzi verkörpert den Anarchisten Konstantin – zehn Jahre lang saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Sein Folterer Metodi, der »Michelangelo des Verhörs«, ist Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Als 1989 das Regime wechselt, scheint eine neue Ära anzubrechen. Doch statt Unrecht aufzuklären und die Täter zu bestrafen, wird alles unter den Teppich gekehrt, was zuvor geschah. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Erinnerungen sind trügerisch – und unerwünscht. In den Stasi-Akten finden sich kaum aussagekräftige Dokumente, Konstantins Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall und keiner will sie hören. Warum zurückschauen?
Opfer und Täter sind die einzigen, die sich an das Geschehene zu erinnern scheinen. Und so bleiben Konstantin und Metodi aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Foto: © Katrin Ribbe 

Ort: Theater im Pfalzbau

Datum: / 19:30 bis 22:15 Uhr