20.01.2018

Orpheus in der Unterwelt

 Pfalztheater Kaiserslautern

Als wahnwitziges Bühnenspektakel mit einem ironischen Augenzwinkern und auch so mancher sozialpolitischen Kritik schrieb Jacques Offenbach seinen „Orpheus“. Zum Entsetzen der zeitgenössischen Kritik krempelten die Librettisten Hector Crémieux und Ludovic Halévy die Vorlage von Ovid und Vergil völlig um und verwandelten sie in eine Posse. Die Schmähungen des Kritikerpapstes Janin wirkten übrigens als beste Werbemaßnahme für die Aufführung, die regen Zuspruch fand. Als Gipfel der „Majestätsbeleidigung“ empfand Janin, dass der Text einer Szene direkt einer seiner Tanzkritiken entnommen war. Damals wie heute bietet „Orpheus in der Unterwelt“ die ideale Grundlage, den Werteverfall in der Gesellschaft anzuprangern und satirisch aufs Korn zu nehmen.

Regisseur Sebastian Welker versetzt den Stoff in die Welt des „Trash-TV“, und es ist geradezu erschreckend, wie gut diese Interpretation passt. Die Welt der Daily- und Doku-Soaps, der Talk- und Gerichtsshows der vergangenen Jahrzehnte bildet einen Rahmen wie gemacht für eine Persiflage. Man kann sich direkt vorstellen, wie der als Schäfer und Imker Aristeus verkleidete Pluto als Bauer seine Frau Eurydike sucht. Oder wie Pluto und Orpheus ihren „Frauentausch“ vollziehen. Ob Hans Styx als abgehalfterter und nach unten durchgereichter ehemaliger Fernsehstar oder Diana als verführerisches It-Girl: Zu jedem Charakter der Operette findet sich ein Äquivalent in der Medienwelt. Das Publikum erwartet also eine rasante und witzige Neuinterpretation von Jacques Offenbachs Orpheus in der Unterwelt mit allen „Hits“ wie dem „Can-Can“, dem „Fliegenduett“ oder „Als ich noch Prinz war von Arkadien“.

Foto: © Thomas Brenner 

Ort: Theater im Pfalzbau

Datum: / 14:30 bis 16:45 Uhr