09.03.2018

Ballet of Difference - On Body

Choreographien von Richard Siegal

Der Name ist Programm: Das Ballet of Difference steht für kulturelle und ästhetische Vielfalt, radikale Modernität und Grenzüberschreitung. Unter der künstlerischen Leitung des renommierten Choreographen Richard Siegal vereint das Ensemble internationale Tanzstars mit unterschiedlichsten tänzerischen und persönlichen Profilen, kulturellen Hintergründen sowie ästhetischen und sexuellen Orientierungen. Ein Ballett der Unterschiede und Gegensätze. Wie kaum ein anderer gab Siegal dem zeitgenössischen Tanz im letzten Jahrzehnt ein neues Gesicht. Jetzt setzt er mit seiner 2016 in München neu gegründeten Compagnie seine radikale Auseinandersetzung mit den Konventionen und Techniken des klassischen Balletts fort. Dabei lotet er nicht nur die Grenzen der tänzerischen Bewegungssprache aus, sondern sorgt auch in punkto Musik, Lichtdesign, Kostüm und Ausstattung für Überraschungen – immer auf der Suche nach Erweiterung und Bereicherung des bekannten Repertoires.

Der neue Abend On Body beleuchtet den Körper aus unterschiedlichen Perspektiven: Als künstlerisches Ausdrucksmittel zwischen kultureller Codierung und künstlerischer Prägung, zwischen realer Präsenz und digitaler Repräsentation. Ausgangspunkt ist das wegweisende Stück UNITXT, mit dem Siegal 2013 seine Auseinandersetzung mit den Formen des Balletts begann. 12 Tänzerinnen und Tänzer begeben sich auf eine 25minütige Tour de Force. Carsten Nicolais eigens für diese Produktion komponierter Elektrosound gibt die Dynamik des Abends vor und treibt die Tänzer in genau abgezirkelte Bewegungen. Der vielfach ausgezeichnete Industriedesigner Konstantin Grcic entwickelte für das Stück tragbare, präzisionsgefertigte Objekte, die im Zusammenspiel mit den Spitzenschuhen ganz neue Bewegungsformen ermöglichen. Siegal inszeniert in UNITXT eine Bewegungsdynamik, die unter Zuhilfenahme von technischen Möglichkeiten das Tanzvokabular erweitert.

Das 2017 entstandene Stück BoD hat als erstes Stück der neuen Compagnie programmatischen Charakter. Es kombiniert körperliche Ausdrucksformen unterschiedlicher ethnischer Traditionen und ästhetischer Sozialisierungen zu einem elektrisierenden Amalgam und zu einem Ausdruck unserer kulturell reichen Gegenwart. Zu den orientalischen Rhythmen von DJ Haram, einer in den USA lebenden Musikerin mit libanesischen Wurzeln, rotieren die BoD-Tänzer*innen durch den Raum und transformieren sich mit der Hilfe der aufblasbaren Kostüme der New Yorker Modedesignerin Becca McCharen in immer neue Körperlichkeiten.

Höhepunkt des Abends ist eine neue Arbeit Richard Siegals. Made for Walking legt den Fokus auf die subtilen Energieströme, die zwischen menschlichen Körpern zirkulieren. Im Vordergrund steht die menschliche Stimme. Der Körper wird zum Produzenten und Resonanzkörper von Klang. Er schafft einen intimen Raum zwischen den Tänzern, der sowohl die Fragilität als die Unmittelbarkeit des Physischen akzentuiert.

„Richard Siegal ist Brückenbauer zwischen Hoch- und Subkultur – und will in der neuen Compagnie das Individuum mit seinen Ecken und Kanten feiern. Seine Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Komponisten, bildenden Künstlern, Programmierern und Modeschöpfern ist ebenso einzigartig wie es seine futuristisch anmutende Lichtregie und die oft halsbrecherischen Schrittkombinationen, Spagatsprünge und Turbo-Pirouetten seiner Tänzer sind.“ taz

Richard Siegal stellte seine innovativen Projekte auf Festivals in der ganzen Welt vor und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem New York Dance and Performance Bessie Award, dem S.A.C.D. Prize, dem Deutschen Theaterpreis DER FAUST 2010 und dem Münchner Tanzpreis 2013. Er war lange Jahre Tänzer in William Forsythes Frankfurter Ballett und arbeitete regelmäßig für zahlreiche international herausragende Ensembles. Sein Ballet of Difference setzt einen Kontrapunkt zu den institutionellen Tanzcompagnien: Dem Ideal der Uniformität stellt Siegal einen Schmelztiegel der Heterogenität und Vielfalt gegenüber.

 

 

Ort: Theater im Pfalzbau

Datum: / 19:30 bis 21:45 Uhr