Mit der Verabschiedung der Karlsruher Erklärung "Verfassungsauftrag Gleichstellung- Taten zählen!" endete die 25. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands, die am 17. und 18. September 2018 in Karlsruhe stattfand.

Die Bundeskonferenz wurde vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und dem Ministerium für Soziales und Integration des Landes Baden Württemberg gefördert.

Mit der (einstimmigen) Verabschiedung der Karlsruher Erklärung am Dienstag, 18. September 2018, fordern die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten unter anderem, dass ein Aktionsplan in der Querschnittsverantwortung aller Ressorts im Bund die Ungerechtigkeiten und Fehlentwicklungen zum Nachteil von Frauen beendet. Schutz vor Gewalt und sexistischen Strukturen muss in allen Bereichen des Lebens und Arbeitens, von Gesellschaft und Politik gewährleistet werden. Dafür müssen tragfähige, aufeinander abgestimmte und nachhaltig wirksame Maßnahmen und Strukturen auch in den Kommunen geschaffen werden.

Faktencheck

  • Politische Repräsentanz: Frauenanteil im aktuellen Deutschen Bundestag 30,9 Prozent, in den Gemeindeparlamenten sogar nur durchschnittlich 25 Prozent.
  • Gewalt gegen Frauen: Mindestens 109.000 Frauen wurden (2016) Opfer von Gewalt in der Partnerschaft. Mehr als jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch die Gewalt Ihres Partners oder Expartners. Folgekosten von Gewalt an Frauen: mindestens 3,8 Milliarden Euro.
  • Löhne und Gehälter: Die Bruttostundenlöhne von Frauen in Deutschland liegen im Durchschnitt 21 Prozent niedriger als die der Männer. Als Ursache werden neben unmittelbarer Diskriminierung vor allem niedrigere Einkommen bei Teilzeitarbeit und schlechte Verdienstmöglichkeiten in von Frauen dominierten Branchen angegeben. 2,93 Millionen. Frauen haben ausschließlich einen Minijob6
  • Altersarmut: 58 Prozent der Menschen, die 2017 als Altersrentner oder Altersrentnerinnen Grundsicherung nach dem SGB XII erhielten, sind weiblich. Aufgrund hoher Teilzeitquoten, niedriger Verdienste und veränderter Lebensbiografien wird die Gesamtzahl von altersarmen Frauen weiter ansteigen. Fast einem Drittel alleinstehender Frauen droht bis zum Jahr 2036 die Altersarmut. Besonders allein Erziehende sind schon jetzt von Armut betroffen, ausgerechnet diese Gruppe ist steuerlich besonders benachteiligt.
  • Unbezahlte Sorgearbeit: Frauen leisten 52 Prozent mehr Haus- und Pflegearbeit als Männer, das heißt anderthalbmal so viel.
  • Führungspositionen: Mehr als zwei Drittel der Führungspositionen in den obersten Bundesbehörden sind mit Männern besetzt. Von 437 Verwaltungsspitzen in den Landkreisen, Stadtkreisen und kreisfreien Städten sind 11,4 Prozent mit Frauen besetzt.
  • Digitale Zukunft: Die IT-Arbeitswelt ist männerdominiert. Die Gestaltung der digitalen Zukunft in allen Lebens-und Arbeitsbereichen hat bereits begonnen – überwiegend ohne Frauen: Nur 14 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Informatik sind weiblich. Die Chancen mit einem ganzheitlichen geschlechtersensiblen Blick eine neue Arbeits- und Lebenswelt zu gestalten, werden zunehmend vertan.
  • Kommunale Gleichstellungsarbeit: Es fehlen einheitliche rechtliche und finanzielle Standards für kommunale Gleichstellungsarbeit. Eine bundesweit qualitativ gleichwertige geschlechtergerechte Daseinsvorsorge in den Kommunen ist nicht gewährleistet.

Diese Fakten machen klar: Der Nachholbedarf für die Umsetzung des Staatsziels "Gleichberechtigung von Frauen und Männern" ist groß.