Die Kooperationspartner der PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C in Ludwigshafen arbeiten seit zwei Jahren gemeinsam daran, die Versorgungssituation von Menschen, die Drogen konsumieren oder eine Substitutionstherapie erhalten, in Ludwigshafen zu verbessern.

Ein Ziel ist es, langfristig die Häufigkeit der Infektionen mit dem Hepatitis-C-Virus in Ludwigshafen zu reduzieren. Nach zwei Jahren verzeichnen die Partner bereits deutliche Erfolge. Aus medizinischer Sicht ist die Elimination von Hepatitis C keine Utopie mehr. Die neue Wirkstoffgeneration der sogenannten "Direct-acting antivirals" (DAAs) heilt die Infektion in fast allen Fällen in acht bis zwölf Wochen.

Suchtkranke: erst stabil, dann offen für Gesundheitsaspekte

Hepatitis C schädigt die Leber still, heißt es oft. Denn die unspezifischen Symptome der Lebererkrankung sind meist grippeähnlich, die wenigsten Betroffenen bringen sie mit der Erkrankung in Verbindung. Unbehandelt kann eine Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) zu schweren Leberschädigungen bis hin zum Tod führen. Die Risikogruppe für Infektionen mit HCV ist klar definierbar: Vier von fünf Neuinfektionen sind auf intravenösen Drogenkonsum zurückzuführen (Quelle: Robert Koch-Institut, 19. Juli 2018). Suchtkranke stehen in puncto Gesundheitsversorgung jedoch vor großen Hürden und Herausforderungen, da meist andere Problemlagen vorrangig gelöst werden müssen, wie Arbeitslosigkeit, Schulden, Bedrohung von Obdachlosigkeit oder weitere psychische Erkrankungen.

Substituierten Klientinnen und Klienten bietet das Jobcenter Vorderpfalz-Ludwigshafen in Kooperation mit der Drogenhilfe der Stadt Ludwigshafen und der Abteilung Beschäftigungsförderung der Stadt Ludwigshafen daher passgenaue Angebote. Bei diesen so genannten Flex AGHs (Flexible Arbeitsgelegenheiten) arbeiten die suchtkranken Menschen zunächst an nur drei Tagen die Woche für etwa drei Stunden. Gleichzeitig erhalten sie eine intensive psychosoziale Betreuung durch die städtische Drogenhilfe. Seit Anfang 2018 haben acht Menschen an diesem Programm teilgenommen.

Weniger HCV-Infizierte in Ludwigshafen

Neben Angeboten zur Stabilisierung der Suchtkranken arbeiten die Kooperationspartner auch seit zwei Jahren daran, Hürden bei der Gesundheitsversorgung abzubauen. Ein Dokumentationsbogen sowie ein Diagnostikleitfaden, die in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse IKK Südwest, dem Klinikum Ludwigshafen, AbbVie und Substitutionspraxen entwickelt wurden, sollen niedergelassene Ärzte bei der Diagnose und Therapie von Hepatitis C unterstützen.

Die Prävalenz, also die Häufigkeit der Erkrankung, ist unter den substituierten Klientinnen und Klienten der Drogenhilfe bereits von 60 Prozent auf etwa 34 Prozent gesunken.

Neue Form der Psychotherapie

Viele opiatabhängige Menschen haben häufig noch mindestens eine weitere psychische Störung. Doch nur wenige sind in psychotherapeutischer Behandlung. Ein Arbeitskreis der PLUS-Initiative hat festgestellt, dass diese Menschen eine andere, niedrigschwellige Form der psychotherapeutischen Versorgung bräuchten; zumindest vorgelagert zur hochschwelligen Psychotherapie. Die Gruppe entwickelte hierfür den Begriff der "Niedrigschwelligen psychosozialen Kurzintervention", kurz NPKI genannt. Von Seiten der kooperierenden Krankenkassen kam die Empfehlung, ein solches Projekt beim Innovationsfonds des Bundes anzumelden. Das hat die PLUS-Initiative im März getan und wartet nun darauf, ob das Projekt ausgewählt wird.

Über die PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C

Die PLUS-Gesundheitsinitiative Hepatitis C Ludwigshafen gründete sich offiziell am 5. April 2017 mit einer Auftaktveranstaltung. Die Bündnispartner in Ludwigshafen sind

  • Stadtverwaltung Ludwigshafen am Rhein
  • AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG
  • drei Substitutionspraxen
  • Klinikum der Stadt Ludwigshafen am Rhein gGmbH
  • IKK Südwest
  • AOK Rheinland-Pfalz/Saarland
  • GO-LU Gesundheitsorganisation Ludwigshafen e.G.
  • Jobcenter Vorderpfalz-Ludwigshafen
  • LuNoMed e.V.
  • AIDS-Hilfe Arbeitskreis Ludwigshafen e.V.
  • Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demographie Rheinland-Pfalz
  • Ökumenische Fördergemeinschaft Ludwigshafen GmbH mit dem Projekt "Street Docs"

Schirmherrin der Initiative ist die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler.

Drei- bis viermal im Jahr finden moderierte Runde Tische zur interdisziplinären PLUS-Initiative statt. Dabei werden aktuelle Ergebnisse aus Arbeitskreisen, Veranstaltungen, Abfragen und Evaluationen wie auch konkrete Produkte und Projekte vorgestellt und diskutiert. Zudem haben die Bündnispartner im Jahr 2018 eine Fortbildungsreihe aufgelegt, in der viele Mitarbeitende von Drogenhilfe, Jobcenter und Substitutionspraxen zu den Themen Hepatitis C, psychischen Erkrankungen, Grundwissen Sucht und rechtlichen Hintergründen geschult wurden mit dem Ziel einer engeren Vernetzung, Wissensaufbau und Sensibilisierung im Umgang mit suchterkrankten Menschen.

Der Caritasverband für Stuttgart e.V., die Deutsche Leberhilfe e.V. und das forschende BioPharma-Unternehmen AbbVie gründeten das erste Aktionsbündnis PLUS im Jahr 2015 in Stuttgart als Pilotprojekt. Ludwigshafen kam als zweiter Standort für eine PLUS-Initiative zwei Jahre später hinzu. Inzwischen gibt es die PLUS-Initiative auch in Hamburg, Kassel, Bochum und Wiesbaden.