Der Ernst-Bloch-Preis zählt zu den herausragenden Kulturpreisen in Deutschland. Er wurde anlässlich des 100. Geburtstags Ernst Blochs im Jahre 1985 im Andenken und zur Ehrung seines Werkes gestiftet.

Ernst-Bloch-Preis 2021

Erstmals in der Geschichte des Ernst-Bloch-Preises werden zwei Preisträgerinnen ausgezeichnet: Den Hauptpreis erhält Dr. Mithu M. Sanyal, Autorin, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin aus Düsseldorf, die nach zahlreichen journalistischen Beiträgen und wissenschaftlichen Publikationen derzeit mit ihrem Roman "Identitti“ festgefahrene gesellschaftliche Strukturen durch treffsichere Fragestellungen in ein neues Licht rückt.

Den Förderpreis vergibt die Stadt Ludwigshafen am Rhein an die Kulturwissenschaftlerin und Philosophin Dr. Hanna Engelmeier, die in ihrem ersten und jüngst erschienenen literarischen Werk "Trost. Vier Übungen“ verschiedene Genres miteinander verschmelzen lässt.

In einer zweitägigen Sitzung im Ernst-Bloch-Zentrum diskutierte die Jury, bestehend aus Amna Franzke (Verantwortliche Redakteurin bei ZEIT ONLINE), Prof. Dr. Eva Geulen (Direktorin des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung Berlin) und Hubert Spiegel (Deutschland-Korrespondent im Feuilleton der F.A.Z.), über zahlreiche Bewerbungen und Nominierungen aus den Bereichen Philosophie, Literatur und Wissenschaft.

Begründungen der Jury:

Mithu M. Sanyal wirft sich in die Debatten. Mit großer Souveränität, Originalität und Witz lotet sie in ihrem Romandebüt "Identitti“ Konstrukte wie Identität, Sexualität und Rassismus aus. Sie hinterfragt etablierte kulturelle Muster und lässt ihre Figuren virtuos Theorie verhandeln.

In ihrer kulturwissenschaftlichen Arbeit "Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens" analysiert sie, wie Geschlechterkategorien und Rassismus den Vergewaltigungsbegriff prägen. Bereits 2016 erschienen, lieferte sie damit ein wichtiges Buch, das nach Metoo nicht den Eingang in den Diskurs fand, den es verdient hätte. Mithu Sanyals Werk leistet einen wichtigen Beitrag zu einigen der brisantesten Fragen unserer Zeit. Ihr literarisches und wissenschaftliches Schreiben ist pointiert, scharfsinnig und mutig.

Hanna Engelmeier hat das Aufkommen neuer literarischer Genres wie Autofiktion und Memoir verfolgt und aufgenommen, um daraus etwas Neues und Eigenes zu gestalten. "Trost. Vier Übungen" lautet der Titel ihres bemerkenswerten Prosadebüts. Es handelt sich um ein essayistisches, persönliches Buch, das autobiographische Mosaiksteinchen mit Lesefrüchten von Rilke bis Adorno, von Mark Twain bis Eileen Myles verbindet, theoretisch fasst und dabei auf ertragreichen Umwegen das Ziel verfolgt, die literaturwissenschaftlich vernachlässigte und oft abgewertete Kategorie des Trostes zu rehabilitieren und neu zu bestimmen.

Hanna Engelmeier ist eine Kulturwissenschaftlerin, die ausgetretene Pfade zu meiden weiß und durch ihren ungewöhnlichen Tonfall überzeugt.

Der Preis

Der Ernst-Bloch-Preis wird von der Stadt Ludwigshafen am Rhein im dreijährigen Turnus vergeben.

Der Preis zählt neben dem Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main, dem Karl-Jaspers-Preis der Stadt Heidelberg und dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart zu den wenigen bedeutenden Philosophie-Preisen im deutschsprachigen Raum.

Die Auszeichnung erfolgt gemäß den Richtlinien der Stadt Ludwigshafen am Rhein. Der Ernst-Bloch-Preis geht in seiner Bedeutung längst über den Status eines Gedenkens an den Philosophen hinaus, denn mit ihm werden bedeutende Wissenschaftler und Philosophen ausgezeichnet, die zwar an das Wirken Blochs erinnern mögen, deren eigenes Werk aber in Bezug auf die gegenwärtige Gesellschaft im Vordergrund steht.

Mit dem Hauptpreis ist eine finanzielle Zuwendung in Höhe von 10.000 Euro verbunden, beim Förderpreis sind es 2.500 Euro.

Porträt von Ernst-Bloch

Ernst Bloch gilt als einer der wichtigsten deutschen Philosophen des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1885 im damals bayrischen Ludwigshafen am Rhein in einem jüdischen Elternhaus geboren und studierte nach dem Abitur in München und Würzburg Philosophie. In den Jahren nach seiner Promotion schloss er Freundschaft mit Georg Lukács und verkehrte im Heidelberger Kreis um Max Weber. 1918 erschien das bedeutende Frühwerk Geist der Utopie. In den 1920er Jahren lebte Bloch als freier Autor in Berlin und pflegte regen Austausch mit Theodor W. Adorno, Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Siegfried Kracauer, Otto Klemperer und anderen. 1933 wurde er ins Exil gezwungen und lebte ab 1938 in den USA. Dort entstanden zahlreiche Manuskripte zu späteren Büchern, vor allem sein großes Hauptwerk "Das Prinzip Hoffnung". Nach dem Krieg lehrte Bloch an den Universitäten in Leipzig und - ab 1961 - in Tübingen. Dort starb er 1977, bis zuletzt tätig, im Alter von 92 Jahren.

Preisträger seit 1985

  • 1985
    Professor Dr. Dolf Sternberger, Politologe, Darmstadt
    Förderpreis wurde nicht verliehen
  • 1988
    Professor Dr. Dr. h.c. Hans Mayer, Literaturwissenschaftler, Tübingen
    Dr. Anna Czajka (Förderpreis), Philosophin, Genua
  • 1991
    Professor Dr. Leszek Kolakowski, Philosoph, Oxford
    Dr. Françoise Wuilmart (Förderpreis), Literaturwissenschaftlerin, Brüssel
  • 1994
    Professor Dr. Jürgen Moltmann, Theologe, Tübingen
    Dr. Elke Pahud de Mortanges (geb. Kruttschnitt) (Förderpreis), Theologin, Fribourg
  • 1997
    Professor Dr. Pierre Bourdieu, Soziologe, Paris
    Dr. Michael Pauen (Förderpreis), Philosoph, Magdeburg  
  • 2000
    Professor Dr. Eric J. Hobsbawm, Historiker, London
    Dr. Navid Kermani (Förderpreis), Islamwissenschaftler, Köln
  • 2003
    Professor Ivan Nagel, Theaterwissenschaftler, Berlin
    Dr. Reiner Manstetten (Förderpreis), Wirtschaftswissenschaft, Heidelberg
  • 2006
    Professor Dr. Dan Diner, Historiker, Leipzig, Jerusalem
    Dr. Carolin Emcke (Förderpreis), Philosophin und Journalistin
  • 2009
    Professor Dr. Seyla Benhabib, Politikwissenschaftlerin, Yale
    Dr. Ralf Becker (Förderpreis), Philosoph, Kiel
  • 2012
    Professor Dr. Avishai Margalit, Jerusalem
    Dr. Lisa Herzog (Förderpreis), St. Gallen
  • 2015
    Professor Dr. Axel Honneth, Sozialphilosoph, Frankfurt am Main
    Ann Cotten (Förderpreis), Schriftstellerin, Berlin
  • 2018
    Professor Dr. Achille Mbembe, Historiker, Johannesburg
    Maximilian Probst (Förderpreis), Autor, Hamburg