Renaturierung des Altrheingrabens schreitet voran

Neuer Polder schützt vor Hochwasser

Ende Juli begann der zweite Bauabschnitt mit Erdarbeiten zur Renaturierung des Altrheingrabens. Hierzu wird eine Fläche von circa fünf Hektar, die ausschließlich ackerbaulich genutzt wurde, naturnah umgestaltet. Ab 2020 starten die Arbeiten für den Landschaftsbau. Der Bereich erstreckt sich südlich der Bezirkssportanlage Edigheim rund 660 Meter am Zinkig entlang.

Insgesamt wird das Gewässerbett in Richtung Westen von der Bebauung abgerückt. Dadurch kann der bisher gerade verlaufende Altrheingraben einen leicht mäandrierenden Verlauf erhalten. Die Böschungen werden wechselseitig abgeflacht, mit unterschiedlichen Neigungen hergestellt und das gesamte Gewässerprofil aufgeweitet. Die Gewässersohle – der am tiefsten gelegene Bereich –  soll mit 9.000 Quadratmetern tonartigem Material abgedichtet werden. Zum Schutz vor Hochwasser soll auch ein Damm entstehen. Die angrenzenden Flächen werden als extensive Wiesen angelegt und Gehölze angepflanzt. Über einen neu angelegten Rad- und Fußweg kann der neu gestaltete Raum dann erschlossen werden.

Die Kosten für den zweiten Bauabschnitt betragen insgesamt 1.717 Millionen Euro, bewilligt ist ein Zuschuss in Höhe von 1.365 Millionen Euro.

Neuer Polder in Notwende
Ebenfalls am Altrheingraben liegt der Bau eines Polders mit einem Volumen von 4.600 Kubikmeter auf einem aufgeschütteten ehemaligen Bahngelände westlich der Notwendestraße. Er schützt Anlieger*innen vor Hochwasser und sorgt für ein zusätzliches Rückhaltevolumen für den geplanten Umbau der Regenwasserbehandlungsanlage Notwende. Um das notwendige Volumen zu schaffen, wird der Oggersheimer Altrheingraben in diesem Bereich auf einer Länge von rund 490 Metern aufgeweitet und naturnah ausgebaut. Zu diesem Zweck wurde das Grundstück vom Wirtschaftsbetrieb Ludwigshafen (WBL) erworben und die ehemalige Kleingartensiedlung entfernt. Die Kleingärtner*innen wurden nach dem Bundeskleingartengesetz entschädigt.

Durch die Aufweitung des Gewässerprofils erhält der Graben eine geschwungene Niedrigwasserrinne und flache Böschungen. Insgesamt werden circa 16.000 Kubikmeter Erdmaterial abgetragen und zur Deponie gefahren. Die Böschungen und das Grabenumfeld werden mit Wieseneinsaat und Gehölzpflanzungen begrünt. Der Polder wird nur zur Mahd und Pflege zugänglich sein. Hierdurch entsteht ein kleines Reservat mitten in Ludwigshafen.

Diese rund eine Million teure Maßnahme wird mit 90 Prozent der förderfähigen Kosten vom Land nach der AktionBlau Plus unterstützt.

Hintergrund:
Mit dem Ausbau des Altrheingrabens in den 1960er Jahren wurde der relativ naturnahe Verlauf, wie er auch in alten Karten zu sehen ist, zerstört und das Gewässer in ein enges Bachbett mit steilen Uferböschungen gedrängt. In weiten Bereichen ist der Graben durch landwirtschaftliche Nutzung und Nährstoffeinträge beeinträchtigt.

Seit Anfang der 1990er Jahre bemüht sich die Stadt Ludwigshafen daher gemeinsam mit der Stadt Frankenthal, den Altrheingraben zu einem grenzübergreifenden Grünbereich zu entwickeln. Mit dem Gewässerpflegeplan 1993 wurden Entwicklungsziele für das Gewässer formuliert. Die Entwicklung des Gewässers ist im aktuellen Flächennutzungsplan 1999 aufgenommen.

Mit dem Gewässerkonzept 2020 im Jahr 2002 wurde insbesondere aufgrund der Grundwasserhochstände die Erfordernis des Ausbaus des Altrheingrabens in Kombination mit dem Hochwasserschutz (Objektschutz Zinkig, Rückhaltevolumen) formuliert. Ebenso wurde die Maßnahme im Rahmen der Gewässerrahmenrichtlinie in das Aktionsprogramm aufgenommen. Der Planfeststellungsbeschluss für die wasserrechtliche Genehmigung erging im Juni 2011.
Das Projekt wurde vom Naturschutzbeirat der Stadt und den Naturschutzverbänden ausdrücklich begrüßt. Auf rund fünf Kilometer Länge wird der vorhandene Graben in Teilbereichen mit einem leicht mäandrierenden Verlauf von der Bebauung abgerückt.

Insgesamt werden rund zwölf Hektar Fläche naturnah gestaltet. Überwiegend auf ehemaligen Ackerflächen entstehen ein naturnaher Grabenverlauf, extensive Wiesenflächen und Gehölzbestände.

Die Eingriffe in die bestehenden Biotope werden weitgehend minimiert, da der bisherige Graben als Altarm weitgehend erhalten bleibt. Lediglich im Bereich nördlich des Glockenlochs bis zum Regenrückhaltebecken auf einer Strecke von circa einem Kilometer wird das Gelände modelliert und ein Teil des Altrheingrabens zum Sammelgraben umgebaut. Dies ist die einzige Möglichkeit, die Anwohner+innen vor Hochwasser zu schützen und ist Ergebnis der Ereignisse der Jahre 2001 bis 2003, als ein solcher Hochwasserschutz aufgrund der damaligen Überflutungen von den Anwohnern des Zinkigs gefordert wurde. Die Privatgärten und einige Teilbereiche der Bebauung sind derzeit Überflutungsbereiche. Durch geplante Geländemodellierung soll dies zukünftig verhindert werden.
Insgesamt wird die Umsetzung des Projektes auf vier Bauabschnitte aufgeteilt.

Auch durch diese abschnittsweise Umsetzung ist gewährleistet, dass betroffene Tierarten ausweichen und neu entstehende Lebensräume wiederbesiedeln können. Die wenigen durch die Bauarbeiten betroffenen Vegetationsbestände werden sinnvoll ausgeglichen.

Mit dieser Planung wurde ein sinnvoller Kompromiss zwischen Hochwasserschutz, Gewässerentwicklung und Naturschutz gefunden.