10.01.2020

Der Schimmelreiter

von Theodor Storm, Bearbeitung von John von Düffel

Theater Bremen

Inszenierung Alize Zandwijk

Klimapolitik ist das beherrschende Thema der Gegenwart. Wer aber würde in Theodor Storms Romanfigur Hauke Haien einen frühen Klimaaktivisten vermuten? John von Düffels Adaption der berühmten Novelle Der Schimmelreiter gibt Alize Zandwijk am Theater Bremen reichlich Anlass zu einer überraschenden Aktualisierung. Wochenlang war das Publikum aufgerufen, an der Theaterkasse Plastiktüten gegen Stoffbeutel zu tauschen. Die finden sich nun im Bühnenbild wieder, als erdrückende Flut, vor der nur ein neuer Deich schützen kann.

So wird der Deichgraf Hauke Haien zum Propheten einer selbstverschuldeten Katastrophe.  Wie die jungen Menschen, die heute ihre Freitage der Zukunft widmen, träumt er von einem Leben im Einklang mit der Natur. Beherrschen will er sie, nicht zerstören. Gemeinsam mit seiner Frau Elke kämpft er für neue Konzepte zu Landgewinnung und Küstenschutz. Aber die Widerstände im Dorf sind gewaltig, und leider behalten die Konservativen recht. Eine Flut ungekannten Ausmaßes greift die Schwachstelle der neuen Deichkonstruktion an und zerstört das Leben, das Glück und die Utopie der harmonischen Koexistenz von Mensch und Natur. Gerade weil Theodor Storm am Ende seinen Helden demontiert, hat seine Geschichte bis heute eine ungeheure Kraft. Sie erzählt davon, wie sehr die Erde Visionäre braucht, auch wenn es keine einfachen Lösungen für die aktuellen Probleme gibt.

Alize Zandwijk inszeniert in der wüsten Dämmerung einer apokalyptischen (Seelen-)Landschaft ein Schauermärchen – über dem ein riesiger Mond wacht als Chef der Gezeiten. […] Nach und nach demaskiert, formulieren die Darsteller den Charakter ihrer Figuren psychologisch aus für eine Inszenierung im Bilderrausch, der Assoziationen zur Verschmutzung und Erwärmung der Meere öffnet. taz

Foto: Jörg Landsberg

Ort: Theater im Pfalzbau

Datum: / 19:30 bis 22:00 Uhr