Es sind die Straßen und Plätze, kurzum der öffentliche Raum der Ludwigshafener Innenstadt, der beim Internationalen Straßentheaterfestival zum Schauplatz für faszinierende Theaterwelten wird. Über zwei Jahrzehnte hinweg hat sich das in der hiesigen Metropolregion einzigartige Festival unter freiem Himmel bewährt. Längst ist der einstige Insidertipp zum Publikumsliebling und begehrten Event von bundesweiter Bedeutung erblüht.

Die Kunstform des Straßentheaters hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer eigenständigen und selbstbewussten Kunstform entwickelt, bei der es nicht mehr um die Darstellung der größten, körperlichen Leistungen geht, sondern um die gesamte ästhetische Wirkung der narrativen Inhalte, der Charaktere, des Lichtdesigns, der Musik und der Kostüme. 

Die Artist*innen begeben sich mutig und abenteuerlustig in den öffentlichen Raum, ohne Netz und doppelten Boden und laden die gesamte Stadtgemeinschaft ein, an ihrem Spektakel teilzuhaben. Die Freiheit und Vielfalt der künstlerischen Mittel, der Anspruch, immer neue Grenzen auszuloten in Interaktion mit der Stadt und mit ihren Menschen, machen die Magie dieser lebendigen und unmittelbaren Kunstform aus. 

Jedes Jahr am letzten Juliwochenende erfüllt das Ludwigshafener Straßentheaterfestival die Stadt mit Spannung, Emotionen und wertvollen neuen Verbindungen. Das Straßentheaterfestival steht seit über 20 Jahren für ein friedvolles, gleichberechtigtes und freiheitliches Miteinander.

Rückschau 21. Internationales Straßentheaterfestival

Vier Spielstätten, drei Tage volles Programm – auch dieses Jahr eroberte Theaterkunst vom 29. bis zum 31. Juli 2022 das Ludwigshafener Stadtzentrum. Die enorme Vielfalt der Darbietungen, die Qualität der Programmangebote und der ganz besondere Charme begeisterten erneut das Ludwigshafener Publikum.

Offiziell eröffnet wurde das Festival in der "Oase des Glücks" auf dem Europaplatz. Die neue Produktion der Cie Dyptik "Mirage (A Day of Celebration)" entführte in eine Welt voller Farben, Lieder, Rhythmen und Emotionen. In der performativen Autowaschanlage "Carwash" der niederländischen Gruppe Actic waren kleinere Menschen zur Autowäsche in einem schicken Automobil eingeladen. Die schweizerische Joshua Monten Dance Company stellte in "The Pursuit of Happiness" auf tänzerische Weise dem Glück nach. 

Der "Comedy Club" auf dem Bürgerhof bot eine einzigartige Kombination aus Akrobatik, Slapstick und Witz: Sylvain Pomme vom Syporcircus überzeugte mit clownesken Kapriolen auf dem Einrad ebenso wie die belgische Cie Balancetoi auf dem Schlappseil. Die Eröffnung eines Cocktail-Paradieses endete in "Chiringuito Paradise" in einem namenlosen Chaos. Doch das herzerwärmende Barkeeper-Duo von Sitting Duck versuchte alles, um den Tag zu retten, natürlich mit einem kleinen Feuerwerk. 

In der Wettkampfarena auf dem Platz der Deutschen Einheit vor der Rhein-Galerie loteten Cie Zania, das Tangaj Collective und Gravity and Other Myths die Grenzen des menschlich Machbaren aus. Während die beiden "Großmütter" von Cie Zania anrührend gegen den Zahn der Zeit anradelten, verlor das rumänische Tangaj Collective trotz eines schier endlosen Headbangings auf Rollschuhen nicht das Gleichgewicht. Ebenso wenig ließ sich die australische Gruppe Gravity and Other Myths durch die Gesetze der Schwerkraft beeindrucken und verwandelte den Platz in ein Universum spektakulärer Weltklasse-Akrobatik.

Im Festivalzentrum auf dem Karl-Kornmann-Platz war dieses Jahr ein genreübergreifender Mix aus Musik, Straßentheater und Austausch zu erleben: das inklusive Theater Stap aus Belgien, die polnischen Muzikanty, die genderqueeren Musiker*innen des Queer-Bow-Fests und abschließend zum Sonntag die israelische Hip-Hopperin J. Lamotta.

Dem Reichtum an künstlerischer Performance waren beim 21. Internationalen Straßenfestival keine Grenzen gesetzt.

Das Internationale Straßentheaterfestival wurde von der Sparkasse Vorderpfalz und dem Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration Rheinland-Pfalz finanziell unterstützt.