Die Stadt Ludwigshafen hat sich auf den Weg gemacht, Strategien für die vielfältige Bevölkerung zu entwickeln und sich darüber hinaus an bundesweiten Modellprojekten zu beteiligen.

Modellprojekt "Weltoffene Kommune"

Die Stadt Ludwigshafen beteiligt sich seit 2020 am Modellprojekt "Weltoffene Kommune - vom Dialog zum Zusammenhalt". Das Projekt wurde initiiert von der Bundesbeauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration und wird von der Bertelsmann Stiftung und der Phineo gAG umgesetzt. Ziel ist es, die Integrationsarbeit der Kommunen unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls zu verbessern. Im September 2020 fand die Auftaktveranstaltung im Stadtratssaal statt, an der sich Mitarbeitende der Verwaltung beteiligt haben, aber auch Mitarbeitende der Agentur für Arbeit und des Jobcenters, der Wohlfahrtsverbände, der ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit, des Beirats für Migration und Integration, der Hochschule und der Staatsphilharmonie. Eine zweite Veranstaltung unter dem Titel "Weltoffenes Ludwigshafen - Ludwigshafen im Dialog", zu der zusätzlich Bürgerinnen und Bürger eingeladen waren, fand im Dezember 2020 digital statt.

"Wir alle sind LU" -Strategien für Qualität und Vielfalt in der Verwaltung

Die Stadtverwaltung Ludwigshafen startete im Oktober 2018 ein Integrationsprojekt  unter dem Titel "Wir alle sind LU - Strategie für Qualität und Vielfalt in der Verwaltung". Als erstes Zwischenergebnis dieses Projektes ist ein Selbstcheck entstanden, den künftig - nach einer Pilotphase - alle Abteilungen der Verwaltung durchführen sollen und dessen Anleitungen auch anderen Organisationen und Behörden in Ludwigshafen zur Verfügung gestellt wird. Dieser sogenannte ChancenCheckLU dient der Reflexion, inwieweit Angebote und Dienstleistungen die verschiedenen Ausgangs- und Bedarfslagen, insbesondere im Hinblick auf die vielfältige Bevölkerung in Ludwigshafen, berücksichtigen. Die Pilotphase mit den ersten Abteilungen beginnt voraussichtlich Anfang 2021. Die Selbstreflexion ist das Schlüsselinstrument für die zukünftige Umsetzung der Vielfaltstrategie der Stadt Ludwigshafen. Durch die Ergebnisse im Rahmen des Modellprojektes "Weltoffene Kommunen" gelingt es, das Vielfaltskonzept zu erweitern.

Der Nationale Integrationsplan

Seit 2011 erkennt die Stadt Ludwigshafen den Nationalen Integrationsplan (NIP) an. Der NIP formuliert klare Standards und Ziele und ist ein tragfähiger gesellschaftlicher und politischer Konsens über die Notwendigkeit von Integration und Integrationsförderung. Am NIP beteiligen sich Bund, Länder, Kommunen, Migrantenorganisationen, gesellschaftliche Institutionen und Wohlfahrtsverbände. Im Jahr 2007 wurde der NIP von der Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern, Kommunen und Migrantenorganisationen beschlossen. Politik, Institutionen und Nichtregierungsorganisationen verständigten sich damals erstmalig darauf, das Politikfeld der Migration und Integration abzustimmen und gemeinsam zu verantworten.

Ludwigshafener Erklärung

Im Rahmen des 2. Integrationsgipfels am 21. Juni 2011 im Rathaus unterzeichneten Vertreterinnen und Vertreter der Wohlfahrtsverbände, der Arbeitsagentur und der Stadt die "Ludwigshafener Erklärung". Die Stadt Ludwigshafen am Rhein wurde damals von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration als einer von insgesamt 18 Modellstandorten für das Modellprojekt "Integration verbindlicher machen - Integrationsvereinbarungen erproben" ausgewählt. Die Unterzeichner sahen in dieser Auswahl eine Anerkennung der bisherigen Integrationsarbeit Ludwigshafens und begrüßten das Modellprojekt als einen weiteren wichtigen Schritt zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Das Modellprojekt wurde wissenschaftlich begleitet und lief bis Ende 2012.

Kooperationsvereinbarungen

Die Unterzeichner der "Ludwigshafener Erklärung" stimmten darin überein, dass das Modellprojekt dazu beiträgt, die in Ludwigshafen bereits seit vielen Jahren geförderte Willkommenskultur für Migrantinnen und Migranten weiter zu intensivieren und die Partizipationsmöglichkeiten für Menschen mit Migrationshintergrund zu erhöhen. Das Modellprojekt wurde dazu genutzt, die Netzwerkarbeit auszubauen sowie standardisierte Arbeitsabläufe und -strukturen zu verfestigen, wobei die Unabhängigkeit jeder teilnehmenden Institution und Organisation gewahrt bleibt. Die Träger der Migrationsberatungsstellen der Freien Wohlfahrtspflege (Arbeiterwohlfahrt Stadtkreisverband Ludwigshafen, das Caritas-Zentrum Ludwigshafen und das Haus der Diakonie Ludwigshafen), die Arbeitsagentur, das Jobcenter und die Abteilung Aufenthaltsrecht des städtischen Bereichs Bürgerdienste erarbeiteten daraufhin Kooperationsvereinbarungen zur besseren Vernetzung ihrer Zusammenarbeit im Bereich der Integrationsarbeit für Migrantinnen und Migranten. Die entsprechenden Papiere wurden in einer Feierstunde im Ludwigshafener Rathaus am 21. August 2012 unterzeichnet.

Diese Netzwerkarbeit wurde als "best practice"-Beispiel in einen Handlungsleitfaden für Kommunen und Beratungsdienste aufgenommen, herausgegeben von Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer. Der Handlungsleitfaden ist ein Ergebnis des Modellprojekts "Integration verbindlicher machen - Integrationsvereinbarungen erproben".