Seit dem Jahr 2000 wurden fünf Quartiere in Ludwigshafen in das das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" aufgenommen, von denen noch Oggersheim West und West andauern und das Dichterquartier in Süd seit 2019 neu am Start ist. Die Städtebauförderung ist seit 2020 neu strukturiert und das Programm heißt nun "Sozialer Zusammenhalt - Zusammenleben im Quartier gemeinsam gestalten".

Sozialer Zusammenhalt - was ist das?

Das aktuelle Programm wurde aus dem seit 1999 neu aufgelegten Programm weiterentwickelt. Ursprünglich lautete die Bezeichnung "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt", das seinerzeit in 16 Bundesländern mit insgesamt 164 Gebieten und 125 Kommunen startete. Die Soziale Stadt wurde ins Baugesetzbuch aufgenommen und ist seit ihrer Einführung bundesweit zunehmend ein Erfolgsmodell für Städtebauförderung in Gebieten mit baulichen, sozialen und wirtschaftlichen Problemlagen. Nach Angaben des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat gab es 2018 bereits 933 Gebiete in 533 Städten und Gemeinden in Deutschland. Allein für 2020 ist ein Fördervolumen von nahezu 200 Millionen Euro vorgesehen.

Gefördert werden mit diesem Programm bauliche Maßnahmen, die die Situation in Stadtquartieren mit städtebaulichen und sozialen Problemlagen verbessern. Ausgehend von strukturverbessernden baulichen Investitionen werden durch den integrierten Handlungsansatz vor allem auch Maßnahmen zur sozialen Stabilisierung und Entwicklung im Quartier etabliert. Es geht um die langfristige, nachhaltige Entwicklung sozialer Strukturen im Zusammenwirken mit Bewohnerinnen und Bewohnern, Vereinen, sozialen Einrichtungen, Schulen, Kirchen, Unternehmen und Wohnungsbaugesellschaften und der Kommunalverwaltung.

In Ludwigshafen hat das Programm eine lange Tradition, die Stadt war von Beginn an mit dabei. Das Quartier Westend startete 2000 als eines der ersten Quartiere in Rheinland-Pfalz, war gleichzeitig Modellgebiet und wurde durch das Deutsche Institut für Urbanistik in Berlin (DIFU) begleitet. Im gleichen Jahr entstanden auch die Quartiere Mundenheim Südost und Oggersheim West. Das Quartier West, das zusätzlich als Sanierungsgebiet ausgewiesen wurde, folgte 2001. Nachdem nunmehr Westend (2011) und Mundenheim Südost (2013) abgeschlossen wurden, kam das Dichterquartier in Süd nach einer erfolgreichen Bewerbung 2019 neu hinzu .

Seit Anfang 2020 wurde das Programm nicht nur umbenannt, sondern auch inhaltlich weiterentwickelt. Neben Maßnahmen zum Schutz des Klimas sind auch die Verbesserung der Integration beziehungsweise Inklusion benachteiligter Bevölkerungsgruppen ausdrücklich ins Programm aufgenommen. Ebenso erhält die Mobilisierung des ehrenamtlichen Engagements zusätzliches Gewicht. Alle Projekte sollen darauf abzielen, nachhaltige Entwicklungen anzustoßen und zu etablieren.

Seit 2000 wurden in den Quartieren bereits zahlreiche investive Projekte, Projekte zur Stabilisierung der Bewohnerschaft, zur Verbesserung der nachbarschaftlichen Beziehungen, zur Integration von Migrantinnen und Migranten und zur Verbesserung des Images der Quartiere in der Gesamtstadt durchgeführt. Die Grundlage hierfür bildeten nicht zuletzt die sogenannten Integrierten Entwicklungskonzepte, die für jedes Gebiet unter Beteiligung von Bewohnerinnen und Bewohnern, Vereinen und Institutionen und Kommunalpolitikerinnen und -politikern erarbeitet wurden. Ziele und Maßnahmen wurden festgelegt und anschließend umgesetzt.

Quartiersmanagement

Als Kernstück im Bund-Länder-Programm "Sozialer Zusammenhalt" gilt das Quartiersmanagement. Die vor Ort eingerichteten Quartierbüros mit je einem Quartiersmanager und einer Verwaltungskraft dienen als Anlaufstelle für die Bürgerinnen und Bürger des Quartiers zu allen Fragen und Problemen rund um das Thema "Sozialer Zusammenhalt". Sie bilden das Schlüsselinstrument der integrierten Stadtteilentwicklung.

Aufgaben des Quartiersmanagements

  • Aktivierung und Beteiligung der Quartiersbevölkerung unter aktiver Mitwirkung der lokalen Wirtschaft, ortsansässiger Institutionen (Schulen, Kindertageseinrichtungen, Kirchen, Polizei) sowie lokaler Vereine, Initiativen und Verbände
  • Vernetzung der im Quartier bereits tätigen beziehungsweise ansässigen Institutionen, Vereine, Verbände und sonstiger lokaler Akteure untereinander
  • Öffentlichkeitsarbeit in Form von regelmäßigen Berichterstattungen in den örtlichen Medien zu Veranstaltungen, Aktivitäten und Projekten im Quartier
  • Begleitung des städtebaulichen Prozesses
  • Entwicklung von Projekten zusammen mit der ortsansässigen Bevölkerung in Rahmen von Arbeitskreisen und -gruppen
  • Zugehen auf Bewohnerinnen und Bewohner bis hin zum Dialog- und Konfliktmanagement
  • Aufbau selbsttragender sowie nachhaltig wirksamer personeller und materieller Strukturen im Quartier, die auch nach Beendigung des Programms im Quartier bestehen